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Blog von Studienleiter Jörgen Klußmann

500 Jahre Reformation - und jetzt? In seinem neuen Blogbeitrag lädt Jörgen Klußmann zum Gespräch darüber ein.

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Vortrag in Düren „Religion und Gewalt Podium mit Prof. Khorchide, Jörgen Klußmann und Dirk Chr. Siedler (v.l.n.r.). Foto: Georg W. Neulen.

Vortrag in Düren thematisierte „Religion und Gewalt“

Khorchide: Barmherzigkeit Gottes durch das Tun zu bezeugen

Der christlich-islamische Gesprächskreis der Evangelischen Gemeinde zu Düren und die Evangelische Akademie im Rheinland konnten am 13. September 2017 im Haus der Evangelischen Gemeinde in Düren einen bekannten Gast begrüßen: Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

Khorchide ist Bestseller-Autor und gern gesehener Gast in Talk-Shows und im Hauptberuf Professor für Islamische Religionspädagogik und Leiter des Zentrums für Islamische Theologie in Münster.

Zu dem Gesprächsabend reiste er extra nach Düren, um den über 130 Interessierten einen "Grundkurs" in moderner islamischer Theologie zu geben. Den Abend moderierten der Dr. Dirk Christian Siedler, Pfarrer der Gemeinde, und Jörgen Klußmann M.A., Studienleiter an der Akademie. Angekündigt war der Vortrag von Prof. Dr. Khorchide unter dem Titel "Religion und Gewalt". Khorchide bezog zwar immer wieder andere Religionen in die Betrachtung mit ein - aber der Schwerpunkt lag natürlich auf dem Islam. Die aufmerksame Zuhörerschaft konnte dabei manch Überraschendes erfahren:

Keine Religion kann ihr Gottesbild absolut setzen
Grundsätzlich müsse der Wahrheitsanspruch, den jede Religion erheben müsse, vom Absolutheitsanspruch unterschieden werden, der andere Religionen abwerte. Judentum, Christentum und Islam  begriffen Gott als "das Unbedingte" schlechthin, das sich jedem Verstehen entziehe. Deshalb könne keine Religion ihr Gottes-Bild absolut setzen. Auch wenn ein ausgrenzender Exklusivismus im Islam noch weit verbreitet sei, gibt es auch Strömungen, so Korchide, die das überwinden wollen.

Islam: Es ist wichtig, die Barmherzigkeit Gottes durch das Tun zu bezeugen
Interessanterweise hat das Aufkommen des IS in den letzten fünf Jahren in muslimischen Ländern auch offenere islamische Ansätze provoziert. Khorchide betonte, wie wichtig es für den Islam sei, den Glauben - die Barmherzigkeit Gottes - auch durch das Tun zu bezeugen. Genau dies tut islamistischer Terror aber nicht und widerlegt damit seinen eigenen Anspruch. Khorchide berichtete von einer theologischen Schule im iranischen Ghom, in der die Position vertreten werde, dass auch der Buddhismus auf dem Weg der Barmherzigkeit sei, obwohl es in dieser Religion gar keine Gottes-Vorstellung gäbe.

Khorchide plädiert für einen historisch-prozesshaften Zugang zu den Texten des Korans
Khorchide erläuterte die Auslegungsarten des Korans und plädierte für einen "historisch-prozesshaften Zugang", der zu einem sachgemäßeren Verständnis des Korans führe. Ein Schwerpunkt seines Vortrages waren Überlegungen zur Person Mohammeds. Er vertrat die Ansicht, dass fast alle biographischen Aussagen über ihn auf einem schwachen historischen Fundament stünden. Die frühesten Texte über Mohammed seien erst sehr viel später nach seinem Tod entstanden  und wollten ihn als starken Helden darstellen.

Jugendlichen fehlen Vorbilder für einen modernen Islam
Zum Schluss seines 70minütigen fesselnden Vortrages ging er - von Hause aus nicht nur Theologe, sondern auch Soziologe - noch auf die Frage ein, was die Attraktivität islamistischer und salafistischer Gruppen ausmache. Vielen Jugendlichen fehlten Vorbilder und Orientierung. Da seien klare Strukturen und Feindbilder "hilfreich". Khorchide plädierte dafür, sich den Fragen der Jugendlichen auf Augenhöhe zu stellen und sie ernst zu nehmen.

Moschee-Vereinen fehlt häufig die Offenheit
Das Auditorium hatte viele Fragen, z.B.: Warum solche Positionen nicht auch über die Moschee-Vereine verbreitet würden? Khorchide beschrieb die Schwierigkeiten der hiesigen Moschee-Vereine, überhaupt junge Leute zu erreichen. Ihnen fehle die Offenheit für die Fragen der Jugendlichen. Auch der Beruf des Imams sei nicht attraktiv für junge Muslime, die z.Z. Islamische Theologie studierten. Umso wichtiger sei die Einführung islamischen Religionsunterrichts. Er äußerte die Überlegung, dass vielleicht Universitätslehrer für einzelne Stunden an Moschee-Vereine für islamische Bildung abgeordnet werden könnten.

Der Abend gab Impulse für eine bessere Verständigung
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verließen diesen spannenden Abend mit vielen Gedanken, die das Zusammenleben in Deutschland betreffen, aber auch politische Konflikte in der Welt. Nach dem Vortrag und den Rückfragen standen noch viele im persönlichen Gespräch beieinander. Sie hatten durch den Abend eine Vorstellung davon gewonnen, wie der Islam wirklich ein Teil von Deutschland werden könnte.

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Dirk Siedler/hbl/ms / 25.09.2017



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