„Ankommen in Bonn”

Auftaktveranstaltung am 25. November 2007 im Alten Rathaus Bonn

Eröffnungsinterview: die Bonner Oberbürgermeisterin mit Moderatorin Monika Hoegen

Im Eröffnungs-Interview mit Moderatorin Monika Hoegen berichtet die Bonner Oberbürgermeisterin vor 120 Gästen von ihrer eigenen Ankunft in Bonn. Nach einem vierjährigen Aufenthalt in Italien kam die gebürtige Leverkusenerin 1958 mit ihren Eltern in die damalige Bundeshauptstadt, wo sie von den Mitschülern ihrer Grundschulklasse als „die Italienerin” galt. Die Oberbürgermeisterin bezeichnet es als Chance und Herausforderung, dass 23 Prozent der heutigen Bonner einen Migrationshintergrund haben, und begrüßt die neue Veranstaltungsreihe: „Die Neu-Bonner aus anderen Ländern und Kulturen bringen viele Geschichten und Hintergründe mit, von denen ihre deutschen Mitmenschen oft nichts wissen. Die neue Veranstaltungsreihe mit ihren interessanten Gästen kann zu mehr Vertrautheit beitragen.”

"Ankommen in Bonn": Nabila Karimi

Nabila Karimi musste ihre afghanische Heimat 1989 aus politischen Gründen verlassen und lebt seitdem in Bonn. Die Mutter von zwei Kindern hat die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen und arbeitet als freie Mitarbeiterin bei der Deutschen Welle. Vor allem die ersten zwei Jahre seien eine schwere und oft traurige Zeit gewesen. „Wenn man in Afghanistan niedergeschlagen war, stand einem immer jemand zur Seite, seien es Nachbarn oder Freundinnen. Hier war das am Anfang anders. Die Leute hören einem zu, gehen dann aber schnell wieder ihrem Alltag nach. In Deutschland haben die Menschen weniger Zeit”, schildert Karimi ihre Beobachtungen. Im Laufe der Jahre habe sich das für sie jedoch geändert: „Inzwischen habe ich sehr gute Freunde in Bonn und damit ist das Miteinander mehr so wie damals in Afghanistan”. Besonders für Frauen sei es schwer, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. „Wenn man als Mutter einem Beruf nachgeht, muss man sich sehr stark von der traditionellen afghanischen Rolle der Frau lösen.” Gleichzeitig seien Hausarbeit und Kindererziehung ganz überwiegend Aufgabe der Frau, so dass man sehr viel Kraft mitbringen müsse, um die gesellschaftliche Integration durch Berufstätigkeit neben der Familie und Kindererziehung zu bewerkstelligen. „Wenn man die Kriegszeit in Afghanistan erlebt hat, wird man sehr stark, und im Vergleich dazu sind meine Probleme hier viel geringer gewesen”, antwortet Karimi auf die Frage, wie sie es geschafft habe, die verschiedenen Herausforderungen zu bewältigen.

"Ankommen in Bonn": Müslüm Balaban

Im Alter von 13 Jahren kam Müslüm Balaban 1968 von einem Internat in Istanbul zu seinem Vater nach Mondorf bei Bonn. An seine ersten Eindrücke erinnert er sich so: „Als ich in Düsseldorf ankam, regnete es und alles schien grau. In Istanbul sah man überall amerikanische Straßenkreuzer und hier in Deutschland fuhren zu der Zeit überall nur VW-Käfer herum.” Bereits sehr früh zog es den „Gastarbeitersohn” ins Arbeitsleben: Nachdem er sich ursprünglich eine Arbeitserlaubnis für Tätigkeiten im Baugewerbe besorgen wollte, absolvierte er schließlich eine Schlosserlehre. „Zu meinem ersten Arbeitstag bin ich mit Thermoskanne, Henkelmann einem Wörterbuch gegangen“, erinnert er sich. Sein Traum sei jedoch von Beginn an eine Tätigkeit in der Gastronomie gewesen. „Wenn man Ehrgeiz hat, gibt es eigentlich nichts, was man nicht erreichen kann”, summiert der heutige Besitzer des Restaurants Opera seine Erfahrungen und macht zugleich auch deutlich, dass der Weg für Unternehmer mit Migrationshintergrund alles andere als leicht sei: „Ich habe alleine anderthalb Jahre mit einem Anwalt dafür gekämpft, dass ich ein Gewerbe anmelden kann”, sagt Balaban, der mehrere Gastronomiebetriebe in Köln und Bonn aufgebaut hat und betreibt. Auf die Frage, wie er die aktuelle Debatte um die Integration ausländischer Bürger sehe, antwortet der erfolgreiche Unternehmer: „Natürlich gibt es heute noch Probleme. Wenn man die heutige Integrationsarbeit bereits vor 20 oder 30 Jahren begonnen hätte, wäre diese Schwierigkeiten so nicht da.”

"Ankommen in Bonn": Stella Kallaghe

Als Stella Kallaghe aus Tansania 2001 nach Bonn kam, hatte sie bereits Erfahrungen mit dem Leben im Ausland: Die Journalistin und PR-Beraterin hatte zuvor schon in Südafrika gelebt. „Doch der Unterschied von meiner Heimat zu Deutschland ist viel größer als der zu Südafrika”, schildert sie ihre Erlebnisse. Durch die koloniale Vergangenheit, hätten viele Tansanier ein Bild von Deutschland und den Deutschen, das sich nach ihrer Ankunft nur teilweise bewahrheitet habe: „Ich erwartete ein lautes und hektisches Industrieland mit vielen Hochhäusern und war dann angenehm überrascht, dass Bonn so viele grüne und ruhige Ecken hat und viele Menschen sehr freundlich sind.” Das Image vom immerzu disziplinierten, strengen und pünktlichen Deutschen sei durch das Erleben des rheinischen Karnevals ordentlich angekratzt worden: „Das war ein echter Kulturschock für mich und sehr gut zu wissen, dass die Leute hier auch ihren Spaß haben können. Ich bin ein großer Karnevalsfan geworden”, bekennt Kallaghe. Die vorwiegend offene und freundliche Atmosphäre in Bonn sei sicher auch ein Resultat der großen Internationalität der Stadt, die bereits mit der Übernahme der Hauptstadtfunktion 1949 begonnen habe. Dass es ausländische Bürger zum Beispiel bei Behörden auch viel schwerer haben könnten, erfahre sie regelmäßig von Freunden und Bekannten aus andern deutschen Städten.

"Ankommen in Bonn": António Rodrigues Pires

António Rodrigues Pires aus Kap Verde ist bereits mehrere Male in Bonn angekommen. Als Student, der sich für die Unabhängigkeit seines Landes von Portugal einsetzte, kam er 1972 zum ersten Mal in die damalige Bundeshauptstadt um politische Kontakte zu knüpfen. 1985 kehrte er als erster Botschafter seines Landes in Deutschland an der Rhein zurück. Doch seine Vergangenheit hatte er nicht vergessen: „Auf eine bestimmte Art war die Rückkehr als Botschafter auch schwierig. Ich konnte und wollte materiell nicht besser dastehen als diejenigen, die mich früher unterstützt hatten.” Mit einem schmalen Budget aus dem Etat seines jungen Heimatstaates betrieb er die Bonner Botschaft. „Zu den Terminen in den Ministerien bin ich teilweise mit der U-Bahn gefahren, und als Dienstwagen hatten wir einen alten BMW. Irgendwann brachte mir die Nachbarin einen Kuchen für den Botschafter, und dabei stelle sich heraus, dass sie mich bis dahin für den Fahrer gehalten hatte”, erinnert sich Pires. Heute ist er Senior Advisor des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD), dessen Sekretariat in Bonn ansässig ist. Im Vergleich zu anderen UN-Standorten engagiere sich die Stadt zusammen mit den Ministerien sehr gut für die Integration der UN-Mitarbeiter, so Pires. Über die Antwort auf Frage, ob der denn auch nach seinem aktiven Berufsleben in Bonn bleiben wolle, musste Pires nicht lange nachdenken: „Den Sommer ja, aber den Winter auf jeden Fall auf Kap Verde.”

"Ankommen in Bonn": Blick ins Publikum "Ankommen in Bonn": Blick ins Publikum mit OB Bärbel Dieckmann und Gästen

Fotos: GTZ/Ralf Schuhmann

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