Bützen in Bonn. Verliebt sein am Rhein”

Liebe über (Sprach-) Grenzen hinweg

Veranstaltung am 7. Februar 2010 im Alten Rathaus

 

Globalisierung und Internationalität sind längst Teile des Privatlebens geworden. Ein Trend, der sich auch in Bonn deutlich zeigt. In den Standesämtern der Stadt wird jede fünfte Ehe zwischen Ehepartnern unterschiedlicher Nationalität geschlossen. Deshalb widmete sich die siebte Veranstaltung der Reihe „Femd-vertraut in Bonn“ dem Thema binationaler Partnerschaften. Kurz vor dem Höhepunkt des rheinischen Karnevals lautete der Titel der Matinee im Gobelinsaal des Alten Rathauses „Bützen in Bonn. Verliebt sein am Rhein“.

 

Hausherr Jürgen Nimptsch betonte im Eröffnungs-Talk mit Moderatorin Monica Hoegen die Internationalität Bonns und die wichtige Rolle von Integration. Jeden Monat fänden in der Stadt 100 Einbürgerungen statt und fünf Prozent der Haushalte seien binational, erläuterte der Oberbürgermeister. Bonn sei eine Stadt der Vielfalt, sowohl in kultureller Hinsicht als auch mit Blick auf die unterschiedlichen Begabungen seiner Bürgerinnen und Bürger. Und wenn man richtig mit ihr umgehen könne, sei Vielfalt eine Stärke. Apropos richtiger Umgang: Moderatorin und Oberbürgermeister erläuterten auch den Sinn des Bützens und demonstrierten die korrekte Ausführung des Küsschens (Foto), das besonders im Karneval für unaufdringliches Näherkommen sorgt.

 

Florencia Chretien de Mack aus Buenos Aires und Harald Mack aus Bonn kennen sich bereits, seit Florencias im Alter von zwölf Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland zog. Aufgrund von Sprachproblemen war ihre Freundschaft zum Nachbarsjungen Harald zunächst eine „Wörterbuch-Beziehung“, berichten die beiden. Während sie Deutsch lernte, versuchte sich Harald an einem spanischen Liebesbrief, der seine Wirkung trotz Sprachlücken nicht verfehlte. Nachdem Florencia mit ihrer Familie nach Argentinien zurückgeht halten sie Briefkontakt. Als sie sich fünf Jahre später wiedersehen, macht Harald noch am Flughafen den Vorschlag zu heiraten, der Florencia so überrascht, dass sie das Wort „heiraten“ umgehend im Wörterbuch nachschlägt, um sicherzugehen, richtig verstanden zu haben. Eine Fernbeziehung zwischen Partnern mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund erfordere besonders viel Initiative, erinnern sich die Macks. „Sie ist die Sache mit Entschlossenheit angegangen, das hat sehr geholfen“, betont Harald. Inzwischen spielten interkulturelle Unterschiede in ihrer Beziehung kaum noch eine Rolle.

 

Die Lebenswege von Yelitza Maria Infante Perdomo und Kwasi Glover führten durch viele Länder, bevor sie sich in Bonn kennen lernten und ein Paar wurden. Sie stammt aus Venezuela und arbeitete in Irland, er kommt aus Ghana und lebte anschließend in Kuba, den Vereinigten Staaten, Togo und Mexiko bevor er nach Bonn kam, wo er zum Agrarökonom promovierte. Nach einem Arbeitsaufenthalt in Italien ist er nun zurück am Rhein. Die erste Annäherung fand mit Hindernissen statt: Eine Freundin stellte ihn ihr als Kubaner vor, vor denen man sie wegen ihrer Untreue gewarnt hatte. Er wollte sie ansprechen, aber sie telefonierte stundenlang mit dem Handy. Er stand jeden Tag in der Bar herum, in der sie arbeitete – sie fand das nervig. Schließlich war das Tanzen ihre gemeinsame Sprache, über die sie sich näher kamen. „Latinas sind einfach lockerer als deutsche Frauen“, sagt Kwasi. „Sie wollen angesprochen werden, Deutsche empfinden das schnell als Anbaggern. Auf der Straße Frauen schöne Worte zu machen ist in Lateinamerika Teil der Kultur, hier muss man damit eher aufpassen.

 

Dass grenzüberschreitende Liebende gelegentlich vor ungewohnten Fragen stehen, erläuterte Lucia Beatriz Molina Ibanez de Klaehn. Vor zehn Jahren lernte sie ihren Mann Gundolf Klaehn kennen und erinnert sich: „In meiner Heimat Peru fragen sich die Partner, ob man ein festes Paar sein möchte. Gundolf hat mich damals einfach geküsst und danach war mir zunächst nicht klar, ob das auch eine feste Beziehung bedeutet.“ Kennen gelernt hatten sie sich während Lucias Schulaustauschjahr an Gundolfs Hamburger Gymnasium. Anfängliche Verständigungsprobleme mit dem attraktiven neuen Klassenkameraden gab Lucia keine Chance. Als Gundolf ihr seine Lebensgeschichte erzählte nickte sie verständig und zeigte sich höchst interessiert. „Später habe ich dann gemerkt, dass sie vieles überhaupt nicht verstanden hatte“, schmunzelt Gundolf. Beide sind sich einig, dass man von einer binationalen Partnerschaft profitieren kann, wenn man die positiven Seiten beider Kulturen miteinander kombiniert. So schätzt Lucia es, in Deutschland als Frau gleichberechtigt behandelt zu werden und sich auf die Unterstützung ihres Mannes verlassen zu können, beispielsweise bei Haushaltsaufgaben. Gundolf betont, dass auch Flexibilität zu einer solchen Beziehung gehört, denn: „Natürlich könnte ich mir vorstellen, gemeinsam mit Lucia in Peru zu leben.“

 

Besuch bekam die Veranstaltung von hoher karnevalistischer Prominenz, die dieses Jahr ebenfalls ein binationales Duo ist. Karnevalsprinzessin Bonna Uta I. erschien mitsamt Prinzengarde und überbrachte Grüße von ihrem erkrankten Prinzen Amir I., der als gebürtiger Iraner mit zehn Jahren mit seiner Familie nach Bonn kam. Amirs karnevalistische Karriere als Prinz mit Migrationshintergrund symbolisiere ideal, dass „im Bönnschen Fastelovend alle gut integriert werden können.“ Amir sei durch und durch „ne Bönnsche Jung“. Die Karnevals-Session, bei der „Bützen immer dazu gehört“, zeichne sich auch dadurch aus, dass man in Bonn viele internationale Erfahrungen machen könne. So gebe es auf dem Rosenmontagszug zahlreiche interkulturelle Beiträge.

 

Begleitet wurde die siebte Veranstaltung Fremd-vertraut durch Gitarrenmusik von Daniel Rodriguez – mit zum Thema „Liebe“ passenden Boleros. Unterstützt wurde die Matinee und der anschließende Empfang im Alten Rathaus vom türkischen Restaurant Opera und der Stadt Bonn.

 

 

 

 

 

 

Fotos: GTZ/Ralf Schuhmann

 

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