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Interview mit dem Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza von der Stiftung Weltethos

Gewaltlosigkeit im Islam

Der Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza von der Stiftung Weltethos stellte 2012 auf der Tagung "Gewaltlosigkeit im Islam" die gewaltlose Ethik des zeitgenössischen syrischen Gelehrten Jawdat Sa’id (geb. 1931) vor.

Muhammad Sameer Murtaza. Foto: Blum LupeMuhammad Sameer Murtaza. Foto: Blum

Am Rande der Tagung gab er im Domradio ein Interview und ging dabei u.a. auf die folgenden Fragen ein:

Auf welchen Grundlagen stützt sich die Gewaltlosigkeit im Islam?  

Murtaza: Der syrische Gelehrte Jawdat Sa’id , der hier ein Vordenker ist, stützt sich auf die Kain und Abel-Erzählung, die wir auch im Koran haben. Nur dass der Unterschied zwischen der biblischen und der koranischen Version ist, dass im Koran mehr der Fokus auf den ermordeten Sohn gesetzt wird, der - als er mit Gewalt konfrontiert wird - zu seinem Bruder sagt: Wahrlich, erhebst Du auch Deine Hand gegen mich, so strecke ich nicht meine Hand gegen Dich aus, um Dich zu töten. Dadurch, dass der Koran den beiden Söhnen keinen Namen gibt -  sie heißen nicht Kain und Abel, sondern nur Söhne Adams - handelt es sich um eine ungeschichtliche Urgeschichte, die etwas Grundsätzliches über den Menschen aussagt und für alle Zeiten gilt. Dann sagt Jawdat Sa’id : "Dieser Spruch des später ermordeten Sohnes Adams, dass er sich eben nicht wehren wird, dass er nicht mit Gewalt zurück schlägt, gilt als prophetische Handlungsmaxime für alle Menschen, für alle Zeiten. Das ist so die theologisch Ouvertüre für eine Gewaltlosigkeit im Islam."

...

Nun ist es ja leider vielfach so, dass der Islam in der öffentlichen Wahrnehmung hierzulande zumindest eher mit Gewalt in Verbindung gebracht wird. Tut man da dem Islam unrecht?  

Murtaza: Nun, wir müssen ja ehrlich zugeben, dass wir im Islam eine Dekade der Gewalt hatten. Das ist, denke ich, unbestreitbar. Was jetzt aber stattfindet, in Palästina, auch in Syrien und anderen Teilen der muslimischen Welt, ist, dass die Menschen merken, Gewalt kann nichts zum Besseren verändern. Gewalt schafft nur neuen Hass, neue Furcht. Wir sehen in Palästina, in Syrien, dass dort plötzlich gewaltlose Gruppen entstehen, die Gewaltfreiheit praktizieren, weil sie davon ausgehen, dass schafft Liebe, das schafft Raum für Diskurs, für Toleranz, für Andersdenkende und Andersgläubige. Da ist etwas ganz Neues im Entstehen. Ich glaube, dass es etwas Hoffnungsvolles ist.

Das Interview führte Christian Schlegel

Der volle Wortlaut des Interviews ist als Podcast am Ende dieses Artikels abrufbar.

Audio Muhammad Sameer Murtaza von der Stiftung Weltethos "Gewaltlosigkeit im Islam"

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Muhammad Sameer Murtaza/ hbl / 14.12.2012



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