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Jörgen Klußmann. Foto: Andrea Zmrzlak Jörgen Klußmann. Foto: Andrea Zmrzlak

Blogbeitrag von Jörgen Klussmann

Zum Attentat von Hanau

Mitbürger, Mitmenschen, Nachbarn, Bekannte, Freunde, Fremde wurden gestern in Hanau von einem 43jährigen, deutschen Mann kaltblütig erschossen!!
Kurz nach Halle ist es der zweite große Anschlag, der Deutschland und die Welt erschüttert!

Ein 43 jähriger deutscher Staatsbürger hat aus rassistischen Gründen 11 Menschen, einschließlich sich selbst und seiner 72-jährigen Mutter erschossen. Unser Beileid und Mitgefühl gilt den Angehörigen und überlebenden Opfern.

Die Tat macht schon an sich sprachlos. Doch darüber dürfen wir nicht vergessen, welche Maßnahmen nun nötig sind. Es zeigt, dass der so genannte Fremdenhass oder die Xenophobie nun endgültig auch in der wiedervereinigten Bundesrepublik angekommen sind. Dies zu leugnen, wäre angesichts der Tat schamlos und eine Schande. Denn sie ist für allein schon eine nationale Schande!

Ja, wir Deutsche müssen uns angesichts Halle und nun auch von Hanau schämen, dass erneut ein politischer Mord in Deutschland aus nationalistischen und faschistischen Gründen möglich ist, 81 Jahre nach Beginn des 2. Weltkriegs, 75 Jahre nach seinem Ende.

Es ist eine nationale Schande, dass so etwas überhaupt wieder möglich werden konnte!

Die Hintergründe liegen ganz klar im Versagen, dass die zwei verschiedenen Systeme – der kapitalistisch-demokratische Westen und  der kommunistische Einheitsparteistaat im Osten nicht zusammen kommen zu können. Sie sind 31 Jahre nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung 1990 in die bestehende Bundesrepublik immer noch innerlich zerrissen. Nicht, wie man annehmen könnte in einen linken und rechten oder östlichen und westlichen Block, sondern verteilt in einen kleinen rechtsradikalen Block, vor allem im Osten Deutschland aber auch in Bayern, einigen westlichen deutschen Großstädten und sonst eher ländlich-vernachlässigten Gebieten in der ganzen Republik ist. Im Westen sind es ehemalige Industriebrache wie in Teilen des Ruhrgebietes, die ähnlich denken wie in Chemnitz oder Dresden oder Bremen oder ehemaligen Radzonengebieten in Hessen. Viele sind AfD-Wähler aber den meisten sind die neuen Nationalen noch nicht rechts genug. Ein Höcke weckt da zwar Hoffnungen aber die wirklich gewaltbereiten Rechtsradikalen sind häufig genug zu verwirrt, um noch auf das parlamentarische System zu setzen.

Ganz bestimmt hat auch ein fleißiges AFD-Mitglied gehofft, dass wieder ein verwirrter Islamist die Tat verübt hat oder dass ein Bandenkrieg zwischen Clans ausgebrochen ist, als die Nachricht kam.
Aber nein, diesmal ist der Täter ein Deutscher. 

Viel wichtiger ist die Frage und was jetzt? Was müssen wir tun, um so etwas künftig und mit allen Mitteln zu verhindern? Vor allem und zunächst sind alle religiösen und sonstigen sensiblen Einrichtungen sofort unter Polizeischutz zu stellen. Dann muss allen potenziellen Verdachtsmomenten nachgegangen und es muss in alle Richtungen ermittelt werden.
Gut, dass die Bundesgeneralanwaltschaft sich der Sache bereits angenommen hat.


Die Gefahr, die von rechtsextremistischen Gefährdern ausgeht, darf nicht länger unterschätzt werden. Offensichtlich sind sie nicht nur gewaltbereit und gefährlich, sondern auch gut bewaffnet.

Das Bundeskriminalamt veröffentlichte heute die Zahl von 60 solchen Personen, die ebenso zu solchen Attentaten fähig wären, wie in Halle und Hanau oder der Mörder des CDU-Politikers Lübcke. Ich fordere die Behörden dazu auf, sie in den Fokus der Ermittlungen zu nehmen. Hier geht es auch um die Glaubwürdigkeit des wiedervereinigten Deutschlands, ob es willens und dazu in der Lage ist, das Wiedererstarken rechter, fanatischer und nationalistischer Kreise in der Bundesrepublik Deutschland zu verhindern. Nach aktuellem Stand sieht es wieder nach einem Einzeltäter aus. Doch die Erfahrung zeigt, dass genau dieser Eindruck bisher immer vermittelt werden sollte. Dies dürfte auch jetzt wieder so sein. Überlassen wir es daher nicht den Planern und Machern im Hintergrund, wann das nächste Attentat verübt wird, sondern handeln, bevor sie es tun können.

Das braucht keinen Krieg gegen den Terror, sondern gezielte polizei- und geheimdienstlliche Arbeit. 

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Jk, ms / 20.02.2020



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