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Blog von Studienleiter Jörgen Klußmann

500 Jahre Reformation - und jetzt? In seinem neuen Blogbeitrag lädt Jörgen Klußmann zum Gespräch darüber ein.

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Blogbeitrag von Jörgen Klußmann - 11. September 2017

9/11 beeinflusst die Welt bis heute

Heute gedenken wir der Opfer des 11. September 2001. Bis heute bestimmen die Attentate vom 11. September weiter das Weltgeschehen und haben auch Einfluss auf unseren Alltag. 

Buchcover: Jörgen Klußmann: Fremd - Vertraut Buchcover: Jörgen Klußmann: Fremd - Vertraut

Sechzehn Jahre ist es her, dass islamistische Terroristen in einer bis dahin beispiellosen Inszenierung drei Flugzeuge entführten und sowohl in das World Trade Centre in New York als auch in das Pentagon stürzen ließen. Die dritte Maschine stürzte auf unbewohntem Gebiet ab, nachdem die Passagiere die Entführer überwältigen konnten – so will es jedenfalls die offizielle Darstellung. Bis heute sind zahlreiche Fragen um die Attentate ungeklärt – wie z.B. Rolle welche Rolle spielten die US-Geheimdienste und warum wurden die Maschinen nicht abgefangen als sie erkennbar auf Kollisionskurs gingen?

Bis heute bestimmen die Attentate vom 11. September aber auch das Weltgeschehen. Der vom damaligen US-Präsidenten Bush Junior ausgerufene „Krieg gegen den Terror“ diente zur Begründung der Einschränkung von Bürgerrechten, zur Rechtfertigung des ersten und des zweiten Golfkrieges und zur Anwendung von Folter durch die US-Geheimdienste. Er destabilisierte den gesamten Nahen und Mittleren Osten, indem er den ehemals von US-Geheimdiensten aufgebauten irakischen Diktator Saddam Hussein stürzte und damit die Grundlage für den Aufbau des so genannten islamischen Staates schaffte. Seitdem hat der Terror, den die radikalen Dschihadisten verüben, auch in die Städte und Gemeinden Europas Einzug gehalten.

In meinem neuen Buch „Fremd – Vertraut“ setze ich mich zwar in erster Linie mit den Ängsten von Deutschen im Angesicht einer wachsenden Migration nach Europa auseinander, doch ich mache auch deutlich, dass diese Migration ohne die immer wiederkehrenden Interventionen des Westens im Rest der Welt im Rahmen des „Kriegs gegen den Terror“ nicht zu erklären ist. Die Kriege, die mit Waffen, die auch aus Deutschland kommen, ausgefochten werden, haben knapp 70 Millionen Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Davon kommt weniger als ein Prozent auch nach Deutschland. Wie wir gesehen haben, befinden sich unter den Migrantinnen und Migranten en leider auch potentielle Attentäter. Aber bereits hier geborene Menschen haben sich dem Terror angeschlossen. Ihre Gründe liegen meist in einer gescheiterten Integration, die sie eigentlich nie wirklich in der Mehrheitsgesellschaft ankommen lassen hat.

All diese Entwicklungen haben wiederum dazu geführt, dass rechtspopulistische und nationalistische Bewegungen Ängste der einheimischen Bevölkerung gezielt schüren, um aus der Situation politisches Kapital zu schlagen – doch das hat es schon einmal gegeben auf deutschem Boden.

Mein Buch „Fremd – Vertraut“ verstehe ich als Plädoyer für eine gemeinsame Kultur der Vielfalt, das sich sowohl an Deutsche als auch Migrantinnen und Migranten richtet. Im Zentrum des Buches steht daher die Suche nach einer gemeinsamen Ethik, die für alle gelten kann, ohne die eigene kulturelle oder religiöse Identität in Frage zu stellen. Dabei erinnere ich an Werte und Vorstellungen, die ihren Ursprung in den jeweiligen Kulturen haben, aber dennoch als Grundlage für einen gemeinsamen Wertekanon dienen können. In einem demokratischen Rechtstaat, in dem wir das Glück haben, leben zu dürfen, besteht die grundsätzliche Chance für alle, die sich an seine Regeln halten, den eigenen Glauben und die eigene Kultur zu leben und sich selbst zu verwirklichen. Doch wir müssen begreifen, dass diese Freiheit nicht selbstverständlich ist, sondern Menschen braucht, die Demokratie leben, indem sie ihre Verantwortung wahrnehmen, sich engagieren und mitbestimmen und für ihre Überzeugungen eintreten, ohne dafür andere – Fremde - ausgrenzen zu müssen.

Mit dem heute hier beginnenden Blog möchte ich gern meine Thesen diskutieren und freue mich auf Ihre konstruktiven Beiträge.

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11.09.2017



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