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Blog von Studienleiter Jörgen Klußmann

500 Jahre Reformation - und jetzt? In seinem neuen Blogbeitrag lädt Jörgen Klußmann zum Gespräch darüber ein.

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Zum Gedenken an den 50. Jahrestag der Ermordung des Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers

Die Forderungen von Martin Luther King sind aktuell wie nie

Antisemitismus, Rassismus, Chauvinismus, Ethnozentrismus, Islamophobie und Christenverfolgung -  Martin Luther King wäre wohl enttäuscht, wenn er die Welt heute beurteilen müsste.

Vorurteile, Stereotypen und Phobien, die als längst überwunden, als irrational, unlogisch und unwissenschaftlich abgetan galten, sind seit einigen Jahren wieder stärker geworden. Nicht wegen fehlender Informationen und Aufklärung, sondern wegen gezielter Desinformation und einer zunehmende Unübersichtlichkeit. Heutzutage ist es schwerer als früher zu beurteilen, welche Informationen verlässlich, gut recherchiert und nachprüfbar sind und welche Informationen lediglich Behauptungen, Meinungen oder gar Fälschungen sind. In einer Zeit, in der sich selbst manche demokratischen Politiker gezielt einer Mischung aus Propaganda, Desinformation, Fake News und schlichten Behauptungen bedienen, um ihre Ziele zu verfolgen, sind die Menschen anscheinend wieder anfälliger für einen Nationalismus geworden, der ausgrenzt und Fremdes abwertet.

„I have a dream…“ – Martin Luther Kings Engagement war gewaltfrei, aber konsequent
Es war bekanntlich der Traum von Martin Luther King, dass Menschen nicht nach ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Religion, sondern allein nach ihrem Charakter beurteilt werden sollen. All jenen, die diesen Grundsatz nicht beherzigen wollten, ist er in der Sache unnachgiebig, aber in der Umsetzung konsequent gewaltfrei entgegengetreten. Als gläubiger Christ stand es für ihn außer Frage, dass alle Menschen von Gott gleich erschaffen sind und daher die gleiche Würde haben. Sein Engagement fußte auf seinem Glauben und seiner Überzeugung, dass die allgemeinen Menschenrechte für alle gut und unveräußerbar sind.

Heute haben Rassismus und Chauvinismus wieder Zulauf
Wenn wir uns die heutige politische Auseinandersetzung anschauen, sehen wir, dass ironischerweise jene politischen Kräfte, die heute wieder auf Antisemitismus, Rassismus, Chauvinismus und Ethnozentrismus setzen, von ihrer Haltung ebenso überzeugt sind und Anhänger gewinnen. Doch auf welches ethische Fundament berufen sie sich dabei? Die Charta der Menschenrechte ist es jedenfalls nicht, denn diese beherzigt die Gleichheit aller Menschen. Doch im Gegenteil: Sie wollen Rechte einschränken für  Menschen, die „kulturfremd“ sind und als Flüchtlinge zu uns kommen.

Dahinter steckt die Befürchtung, dass Privilegien, die man als Staatsbürger demokratischer Rechts- und Wohlfahrtsstaaten hat, eingeschränkt werden könnten. Man wähnt sich in einem Wettbewerb um Sozialleistungen mit Menschen, die vor Armut, Krieg, Verfolgung oder Vertreibung hierher geflohen sind. Dabei wird ausgeblendet, dass wir selbst zu diesen Fluchtursachen beigetragen haben, indem wir uns im Inland zwar an die demokratischen Regeln und ein FairPlay weitestgehend halten, in Kriegsgebieten und Entwicklungsländern aber vielerorts eigenen wirtschaftlichen und strategischen Interessen folgen und die Interessen der anderen ignorieren.

Innenpolitik und Außenpolitik stehen im Zusammenhang
Zu Zeiten Martin Luther Kings lebten viele Menschen noch viel traditioneller und hatten auch wenig Berührung mit Menschen anderer Herkunft oder Religion. Vorurteile und Phobien waren weit verbreitet. Die staatliche Ordnung und die sozialen Verhältnisse waren für die Misere der Farbigen verantwortlich, Informationen waren selten unabhängig.

In der letzten Phase seines Lebens, bevor ihn ein weißer Rassist erschoss, wandte sich Martin Luther King nicht mehr allein gegen die Rassendiskriminierung. Er kritisierte ebenso den Vietnamkrieg. Für ihn war klar, dass es mit der Gleichstellung von Weiß und Schwarz allein nicht getan war. Der Krieg in Fernost war für ihn ein Synonym für Ausbeutung und Hybris; der Zusammenhang zwischen dem Wirken eines Staates in der Welt und zu Hause lag für ihn auf der Hand. Seine Forderungen sind so aktuell wie nie!

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Jörgen Klußmann, ms / 09.04.2018



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