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Jörgen Klußmann. Foto: Andrea Zmrzlak Jörgen Klußmann. Foto: Andrea Zmrzlak

Blogbeitrag von Studienleiter Jörgen Klußmann

Corona und die Folgen

Wie merkwürdig doch diese Zeit ist und wie überraschend – niemand hätte diese Krise wohl für möglich gehalten. Als die Nachrichten von einem Virus in China berichteten, hätte wohl keiner gedacht, wie dramatisch die Infektionsrate ist und das der Coronavirus so schnell auch bei uns seine Kreise ziehen würde. 

China, so dachten wir, das ist verdammt weit weg – also erstmal keine Gefahr. Doch nur wenige Wochen später war es dann auch bei uns in Europa angekommen.

Wahrscheinlich hat kein anderes Ereignis wie diese Pandemie gezeigt, wie sehr vernetzt die Welt inzwischen ist, wie klein und beschränkt dieser Planet ist und dass tatsächlich kein Ereignis, das sich auf der anderen Seite der Erdkugel abspielt, ohne Folgen auf den Rest der Welt bleibt. Bisher haben wir das vielleicht nicht so deutlich gemerkt aber nun können wir die Dynamik der Globalisierung nicht mehr leugnen. Alles hängt mit allem zusammen. Alles hat Wirkungen und Folgen, mögen sie noch so klein sein. Es ist schon bemerkenswert, dass gerade ein mikroskopisch kleiner Organismus uns aufzeigt, wie fragil das Gleichgewicht ist, in dem wir leben.

Was sagt uns das für die Zukunft?
Eine von den zahlreichen viral gehenden Kommentaren und Sprüchen anlässlich der Pandemie hieß. „Endlich spricht man nicht mehr über Greta!“. Gemeint war natürlich die junge Umweltaktivistin Greta Thunberg, der nach Meinung des Autoren, der Virus die Show stiehlt. Mal abgesehen von der Dummheit, die aus diesen Zeilen spricht, offenbart dies vor allem einen Mangel an  Fantasie und Vorstellungskraft, denn was ist die globale Ausbreitung eines Virus denn anderes, als eine Reaktion der Natur und Evolution auf das zerstörerische Wirken der Menschen? Haben wir nicht gelernt, dass die flächendeckende Anwendung von Antibiotika Keime resistenter macht? Wollen wir nicht verstehen, dass auch Viren mutieren, wenn die Umweltbedingungen sich verändern? Wenn es schon in der sichtbaren Tierwelt Veränderungen gibt, z.B. wenn Insekten aus tropischen Gebieten immer mehr auch in Europa zu finden sind, gibt es dann nicht auch Veränderungen auf der mikroskopischen Ebene? Ist der Klimawandel letztlich nicht auch für diese Veränderungen mit verantwortlich?

Eins ist indes völlig klar – die Menschheit ist mit ihrer rücksichtslosen Ausbeutung des Planeten und ihrem zügellosen Verhalten an ihre Grenzen gestoßen. Wir können und dürfen so nicht weiter machen. Wenn die Menschheit und die gesamte Natur eine Überlebenschance haben wollen, dann braucht es mehr Maß und Selbstdisziplin. Wir müssen unser Wachstum drosseln oder zumindest deutlich verändern. Die Weltbevölkerung muss schrumpfen und mit ihr der ungehemmte und rücksichtslose Konsum und unser Sozialverhalten. Wie schon im Mittelalter, als sich die Pest insbesondere in den dicht besiedelten Städten und Regionen austoben konnte, so schlägt Corona dort stärker zu, wo besonders viele Menschen auf dichtem Raum leben. Dort, wo sich unverantwortliche und ignorante Menschen entscheiden, alle Warnungen in den Wind zu schlagen, trifft es die Bevölkerung besonders hart.  

Dies ist die Zeit der Besonnenen und derjenigen, die auf Fakten bauen, statt auf Fake News und Populismus. Jetzt zeigt sich, dass ein Herumwurschteln à la Trump oder Johnson unmittelbare Folgen hat. Analysten rechnen gerade in den USA und in Großbritannien damit, dass die Pandemie besonders drastisch wüten wird, weil es die Mächtigen versäumt haben, rechtzeitig zu reagieren. Jetzt rächt sich auch, dass radikale Einsparungen im Gesundheits- und Sozialwesen dazu führen, dass der Virus sich schneller ausbreiten kann, weil einfach zu wenig da ist, was man in so einer Situation braucht: geschultes Personal, angemessene technische Ausstattung und Versorgung mit medizinischem Gerät und Gütern.

Besorgniserregend ist auch die große Nachfrage nach Schusswaffen in den USA. Wie wenig Vertrauen müssen die Menschen doch in einen Staat und in das Gemeinwohl haben, wenn sie zu solch drastischen Maßnahmen greifen. Wie froh wir doch sein können, dass dies hier anders ist.

Gibt es positive Folgen der Corona-Krise?
Überhaupt – werfen wir doch mal einen Blick auf die positiven Auswirkungen der Krise (ja, es gibt sie tatsächlich!): Da wären weniger Hektik, weniger Stress und Zeitdruck, menschenleere Straßen, freie Autobahnen - es scheint so, als sei die Menschheit auf einmal zur Ruhe gekommen. Natur und Umwelt erholen sich von der Dauerbelastung durch uns Menschen. Wahrscheinlich wird dieses Jahr ein Meilenstein in der Umweltbilanz sein. Unnötige Fahrten mit dem Auto bleiben aus, der Flugverkehr ist nahezu zum Stillstand gekommen, die Produktion von nicht lebenswichtigen Gütern lahm gelegt. Auf einmal ist es still, dort wo noch bis vor kurzem der Verkehr mit seinem Lärm und seinen Abgasen brandete, bewegt sich nichts und wir können die Vögel zwitschern hören. Menschen werden sich plötzlich bewusst, wie wichtig ihnen ihre Lieben sind und was sie an Freunden und Kolleginnen und Kollegen haben. Ja, selbst der Krieg in Syrien und anderen Kriegsgebieten scheint eine Pause einzulegen.

Wir werden uns sicherlich noch lange an diese Pandemie erinnern und dabei sicher der vielen Opfer gedenken. Andere werden die Wirtschaftskrise in Erinnerung behalten, die sie ausgelöst hat. Doch so manch einer wird sich auch an die Momente der Stille und des Miteinanders und die Solidarität der Menschen untereinander erinnern und wie sie uns auf merkwürdige Weise näher gebracht hat.

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JK, ms / 23.03.2020



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