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Blog von Studienleiter Jörgen Klußmann

500 Jahre Reformation - und jetzt? In seinem neuen Blogbeitrag lädt Jörgen Klußmann zum Gespräch darüber ein.

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Das Plakat zeigt die Erde, den blauen Planeten, und den Schriftzug: There is no planet B. Plakat: fridaysforfuture.de Plakat: fridaysforfuture.de

Blogbeitrag von Jörgen Klußmann anlässlich des globalen Klimastreiks am 20.9.2019

Wir müssen uns mit der Erde versöhnen

Die Menschheit ist an einem Punkt angelangt, an dem sie entscheiden muss, ob sie diesen Planeten erhalten oder weiter zerstören will. Die Fähigkeit dazu hat sie spätestens mit dem Bau der Atombombe erhalten. Doch die rücksichtslose Ausbeutung, einseitige Nutzung und Verschmutzung durch uns Menschen ist fast bedrohlicher als der atomare Overkill und zeigt sich schneller und heftiger als erwartet.

Die Ausbeutung der Ressourcen unseres Planeten ist nicht neu, sondern hat mit dem Beginn der Ära des Menschen auf der Erde begonnen. Kein anderes Lebewesen hat sich jemals so rasant entwickelt und dabei gleichzeitig die natürlichen Ressourcen so beansprucht wie der Mensch. Der bisher erreichte technische Fortschritt ist enorm! Doch die Kosten sind es ebenso! Das ist die eine Seite – die andere ist die, dass wir auf absehbare Zeit kein neues Zuhause finden werden! Die Erde ist unersetzbar! Visionen von der Besiedlung des Mars oder anderer Planeten oder Monden unseres Sonnensystems sind zum jetzigen Zeitpunkt, trotz allem technischen Fortschritt, noch nicht realisierbar. Die technischen Herausforderungen sind enorm und vielfältig und in vieler Hinsicht unvorhersehbar; ganz abgesehen davon, dass der Aufbau einer Atmosphäre auf dem Mars Jahrhunderte dauern würde. Wieviel Zeit aber haben wir noch, wenn der derzeitige Ausstoß an Klima schädigenden Gasen weiter anhält, die Ozonschichten sich zersetzen, das polare Eis anfängt zu schmelzen und die Meeres- und Windströmungen sich ändern?

Wir müssen erkennen, dass wir so nicht weiter über die Erde verfügen dürfen
Genau weiß das niemand, aber wie sich zeigt, haben die globalen Veränderungen, die unser Verhalten, Wirtschaften, Handeln und unsere Konflikte ausgelöst haben, so derartige Ausmaße angenommen, dass wir die Folgen nicht annähernd abschätzen können. Doch von Tag zu Tag wird immer deutlicher, wie fragil, wie zerbrechlich das Gleichgewicht auf unserem Planeten ist und wie wichtig es von nun an sein wird, dieses Gleichgewicht nicht noch weiter aus der Balance zu bringen, so wie wir es leider bereits getan haben. Unser Problem ist, dass wir aufgrund all des technischen Fortschritts, der uns durch neue wissenschaftliche Entdeckungen ermöglicht wurde, vergessen haben, dass wir Teil des Ganzen sind und dass unser Handeln Auswirkungen auf das Ganze hat. Doch jetzt sind wir an einen Punkt gelangt, an dem wir erkennen müssen, dass das alles seine Grenzen hat. Die Erde schien lange Zeit unendlich groß und unser Handeln folgenlos. So verkam unser Planet zur Verfügungsmasse menschlicher Interessen.

Wir haben Lebensräume ausgebeutet und zerstört
Die Verletzungen, die wir Mutter Erde zugefügt haben, wiegen schwer, sie sind eine schwere Schuld, die noch jahrhundertelang auf uns lasten wird. Jene Tiere und Pflanzen, die aufgrund unseres menschlichen Verhaltens bisher ausgestorben sind, sind unwiederbringlich verloren. Natürlich ist dies in der Evolution immer so gewesen, dass Arten ausstarben. Doch die Geschwindigkeit, mit der das menschliche Eingreifen Lebensräume ausgebeutet oder zerstört hat und damit dem natürlichen Kreislauf der Evolution gestört hat, ist atemberaubend.

Die Erde ist kein Produkt, sondern Grundlage unserer Existenz
Unsere Erde ist weit und breit über Jahrmillionen von Lichtjahren der einzig bewohnbare Planet im Universum, auf dem Leben existiert. Die Suche nach außerirdischem Leben blieb bislang erfolglos. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auf anderen Planeten Leben existiert, doch es ist für uns unerreichbar. Wenn uns also etwas heilig sein sollte, dann ist es Mutter Erde, die uns allen das Leben schenkt und ermöglicht. Viele so genannte Naturvölker pflegen ein solches Verhältnis zu „Patcha Mama“ (Mutter Erde, wie die Ureinwohner Südamerikas sagen). Überall auf der Welt wurde und wird die Natur als heilig verehrt und gepflegt. Nur in Europa und in den Industrieregionen dieser Welt hat sich eine Haltung durchgesetzt, die Natur als Quelle für Rohstoffe, als Produkt, als handelbares Gut betrachtet. Ausgangspunkt für diese Entwicklung ist ironischerweise der Siegeszug der Wissenschaft und der Aufklärung und der damit einhergehenden Entmystifizierung von Natur. Doch die Natur und damit unsere Erde ist mehr als einfach nur Materie, Rohstoff oder ein Produkt – sie ist die Grundlage unserer Existenz – ohne sie gibt es kein Leben, keine Liebe und keinen Gedanken – ja man könnte sogar sagen, dass sie das Leben an sich ist.

Wir brauchen einen neues, umweltverträgliches und qualitatives Wachstum
Wir müssen erkennen, dass unsere Lebensweise unseren kostbaren Lebensraum zerstört und müssen so rasch wie möglich umkehren zu einem neuen Verständnis von Leben in und auf dieser Welt, das auf schonende Art und Weise mit den Ressourcen umgeht, indem es möglichst nur die nachwachsenden Ressourcen auf Dauer nutzt und für deren Erhalt sorgt. Wir müssen begreifen, dass die Erde mehr ist als nur Masse. Das bedeutet, dass wir uns von einem Wachstum trennen müssen, das nur auf Profit schaut. Stattdessen brauchen wir ein neues, rein qualitatives Wachstum, das nach immer umweltverträglicheren und natürlicheren Verfahren sucht und diese dauerhaft implementiert.

Für diese Neuausrichtung brauchen wir ein neues Ethos
Hier sind die Politik aber auch die Religion und Kultur gefragt. Politiker müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Religiöse Gemeinschaften und Kulturschaffende sollten in der Herausforderung eine Chance erkennen, denn für die Neuausrichtung brauchen die Menschen Orientierung und Unterstützung und ein neues Ethos.  Die Bibel spricht von der Bewahrung der Schöpfung und auch andere heilige Schriften betonen den Wert der Natur, der von den Göttern geschaffen wurde und dem Menschen anvertraut wurde. Wir können hier wieder mehr voneinander lernen.

Wir müssen unser Wissen nutzen, um unsere Fehler zu korrigieren
Die Erde funktioniert wie ein lebender Organismus und vielleicht kann sie uns unser bisheriges zerstörerisches Tun dahingehend irgendwann einmal vergeben, in dem sie sich wieder langsam regeneriert, wenn wir entsprechend handeln. Doch dafür müssen wir uns unsere Fehler und Sünden eingestehen und korrigieren. Das Verständnis über die Zusammenhänge zwischen unserer Lebensweise und deren Folgen für die Welt haben wir inzwischen, nun müssen wir  unser Wissen aber auch nutzen.

Die Versöhnung mit der Erde ist auch eine Versöhnung mit uns selbst
Dies wäre im wahrsten Sinne des Wortes eine echte Versöhnung – eine Versöhnung mit uns selbst, weil wir begreifen würden, dass wir uns zu Unrecht als die Herren der Welt aufgeschwungen haben. Wir glaubten, dass wir uns die Erde untertan machen könnten und haben uns damit zum Fremdkörper gemacht, der meinte, unabhängig von den Unbilden der Natur leben zu können. Damit haben wir uns sehr weit entfernt von unseren natürlichen Ursprüngen und dass war nicht nur egoistisch, sondern auch dumm und kurzsichtig.  Das führt uns die Bewegung #fridaysforfuture deutlich vor Augen, nicht nur heute, am Tag des Globalen Klimastreiks.

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JK, ms / 19.09.2019



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