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Blog von Studienleiter Jörgen Klußmann

500 Jahre Reformation - und jetzt? In seinem neuen Blogbeitrag lädt Jörgen Klußmann zum Gespräch darüber ein.

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Bildzeile: Über die Schwierigkeit, Familien und Einzelreisende zu integrieren, diskutierten (v.l.): Moderator Jörgen Erik Klußmann, Naeem Khalaf, Birte Lange, Dr. Carsten Brodesser, Carola Holzberg und Peter Biesenbach. Foto: Ev. Kirchenkreis An der Agger Bild-LupeBildzeile: Über die Schwierigkeit, Familien und Einzelreisende zu integrieren, diskutierten (v.l.): Moderator Jörgen Erik Klußmann, Naeem Khalaf, Birte Lange, Dr. Carsten Brodesser, Carola Holzberg und Peter Biesenbach. Foto: Ev. Kirchenkreis An der Agger

Ein interkultureller und interreligiöser Abend in der Evangelischen Kirchengemeinde Gummersbach

Familiengeschichten von Menschen auf der Flucht

Familien bieten den lebensnotwendigen Halt, den Menschen brauchen, um die Gefahren und die Strapazen der Flucht sicher überstehen zu können. Sechs Fluchtschicksale von sechs Menschen und ihren sechs Familien standen im Zentrum eines Abends im Rahmen der interkulturellen Woche.

Der Ev. Kirchenkreis An der Agger/Leif Schmittgen und die Akademie hatten am Freitag, 30. September 2016, zu diesem Abend in das Gemeinde-Zentrum Gummersbach Steinbrück eingeladen. Die Moderation hatte Studienleiter Jörgen Klußmann.

Nach 1945: Flucht über das Haff und Trennung von der Familie
Rund 50 Interessierte waren gekommen, um zu hören, wie etwa Elfriede Jakobs (80) über Ihre Flucht als 9-Jährige mit Ihrer Familie über das Haff im Jahre 1945 berichtete. Anders die Siebenbürgerin Emmi Jannesch: Sie wurde von ihrer Familie getrennt, als die deutschen Siebenbürgen in Rumänien für die Greueltaten der Nazis büßen mussten. Erst Jahre später konnte sie sich mit ihren Eltern wieder vereinen.

2000: Flucht als Regimekritiker aus dem Irak
Der irakische Karikaturist und Regimekritiker Hussein Al Safar erzählt, dass er im Jahr 2000 sieben Tage zu Fuß auf geheimen Pfaden durch das Land wandern musste, um sicheren türkischen Boden zu erreichen. Sein Vater hatte ihm die Flucht ermöglicht. Seine Frau hat er in Deutschland kennen gelernt.

2016: Flucht als unbegleiteter Flüchtling
Eine andere Geschichte ist die eines jungen minderjährigen Syrers, der mit seiner Schwester nach Deutschland kam. Inzwischen erhielt sie Asyl in der Bundesrepublik, sogar seine nachgekommenen Eltern haben einen sicheren Aufenthaltsstatus erhalten und leben nun in Oldenburg. Doch der junge 17-jährige darf nicht so einfach dorthin reisen, solange er den Status als unbegleiteter Minderjähriger innehat. Dreimal durfte er seine Familie bisher besuchen. Sein Deutsch ist noch brüchig. Doch es ist vor allem seine eigene Ergriffenheit, Schüchternheit und seine Unsicherheit, die ihn fast in Tränen ausbrechen lassen. Viel kann er nicht mehr sagen. Doch dennoch alle haben verstanden.

Die aktuelle Gesetzeslage erschwert die Familienzusammenführung
Familien bieten den lebensnotwendigen Halt, den Menschen brauchen, um die Gefahren und die Strapazen der Flucht sicher überstehen zu können. Anders als damals nach dem Zweiten Weltkrieg, als vor allem Familien aus ehemaligen deutschen Gebieten kamen, sind es heute meist Alleinstehende, vor allem Männer und manchmal sogar unbegleitete Jugendliche, die kommen. Die Bundesregierung gestand Ihnen bisher das Recht auf Familienzusammenführung zu. Doch mit dem Asylpaket II hat die Bundesregierung dieses Recht praktisch für zwei Jahre ausgesetzt. Zu groß ist ihrer Meinung nach offensichtlich die Zahl der Berechtigten, die Anspruch auf Familiennachzug haben. Die Zahl schwankt zwischen 250.000 – 400.000 Personen. Immer mehr Menschen klagen daher auf das Recht der Familienzusammenführung.

Appell an die politisch Verantwortlichen, Familienzusammenführung möglich zu machen
Die anschließende Podiumsdiskussion, an der Peter Biesenbach, Landtagsabgeordneter NRW (CDU), Dr. Carsten Brodesser, CDU-Kreisvorsitzender und designierter Bundestagsabgeordneter, Carola Holzberg, Ministerium für Inneres und Kommunales NRW, Naeem Khalaf, Ehrenamtskoordinator in der Flüchtlingshilfe der Stadt Gummersbach und Birte Lange vom Kölner Flüchtlingsrat teilnahmen, diskutierte die aktuelle Gesetzeslage bei der Familienzusammenführung.

Alle Beteiligten waren sich darin einig, dass ein Einwanderungsgesetz die Lage für getrennte Familien nicht ändern würde, denn es berücksichtige vor allem die Interessen des Staates, der die Zuwanderung unter bestimmten, vor allem ökonomischen Kriterien erlauben kann. Dieses regle in erster Linie, unter welchen Bedingungen Menschen hier arbeiten und leben dürfen. Es richte sich zuerst nach dem Bedarf an Fachkräften, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt fehlten und zukünftigen Steuerzahlern, die die Lücken im Sozialsystem stopfen sollen. Das Recht auf Familiennachzug ist demgegenüber im Asylrecht geregelt und daher kein Gegenstand eines Zuwanderungsgesetzes.

Der Abend schloss mit einem Appell an die politisch Verantwortlichen, Familienzusammenführung möglich zu machen, wann immer sich dazu Wege böten.

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Jörgen Klußmann M.A. / 14.10.2016



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