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Blog von Studienleiter Jörgen Klußmann

500 Jahre Reformation - und jetzt? In seinem neuen Blogbeitrag lädt Jörgen Klußmann zum Gespräch darüber ein.

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Seite aus dem Koran. Foto: ilgar007 - fotolia.com Seite aus dem Koran. Foto: ilgar007 - fotolia.com

Rückblick auf Symposium zum christlich-islamischen Dialog

„Lebhafter christlich-islamischer Dialog am Vorabend des 500-jährigen Reformationsjubiläums“

Ein gemeinsames Symposium der Evangelischen Akademie im Rheinland, des Muslimischen Forums Deutschland (MFD) und der Konrad Adenauer Stiftung (Politisches Bildungsforum NRW) befasste sich am vergangenen Wochenende in Düsseldorf mit der Frage, ob eine Reformation im Islam möglich ist.

Evangelische Akademie im Rheinland Evangelische Akademie im Rheinland

Ausgehend von der Frage, was Reformation ist und wie sie zu gestalten sei, diskutierten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen sowie Akteure des christlich-islamischen Dialogs, ob sie auf andere Religionen, wie etwa den Islam, übertragbar ist.

Prof. Dr. Dr. h.c. Jörn Rüsen:
Die Reformation war ein gesamtgesellschaftlicher Prozess

Der renommierte Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. Jörn Rüsen (Kulturwissenschaftliches Institut in Essen) sprach sich dafür aus, die Reformation nicht ausschließlich als ein religiöses Phänomen zu betrachten. Vielmehr sei die Reformation ein gesamtgesellschaftlicher Prozess der Erneuerung und Herauslösung aus erstarrten, autoritären Strukturen gewesen. Die Vernunft diente dabei als Motor der geistigen Erneuerung, ohne jedoch den Glauben zu vernachlässigen. Die Reformation habe den Menschen aufgefordert, seine ganz eigene Beziehung zu Gott zu suchen, statt auf die Vermittlung durch einen Klerus zu vertrauen.

Prof. Dr. Mouhanad Korchide:
Die islamische Orthodoxie ist von einem monologischen Gottesbild
 geprägt
In diesem Zusammenhang sprach der Münsteraner islamische Theologe Prof. Dr. Mouhanad Khorchide von einer „dialogischen Beziehung zwischen Gott und Mensch“. Im Laufe der Entwicklung der islamischen Orthodoxie habe sich jedoch ein monologisches Gottesbild durchgesetzt, das durch eine enge Orientierung am koranischen Text geprägt sei.

Kirchenrat Rafael Nikodemus:
Eine Reformation im Islam muss allein von den Muslimen ausgehen

Der Islambeauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland, Kirchenrat Rafael Nikodemus, betonte, dass eine Reformation im Islam allein von Muslimen ausgehen müsse. Eine einfache Übertragung reformatorischer Ansätze aus dem christlichen Kontext auf den Islam sei nicht zielführend und entspreche auch nicht den Erwartungen der Mehrheit der Muslime.

Kooperationspartner: Muslimisches Forum Deutschland Kooperationspartner: Muslimisches Forum Deutschland

Dr. Assem Hefny:
Durch fundamentalistische Strömungen sind die reformerischen Bemühungen des 19./20. Jahrhunderts zum Stillstand gekommen

Dass es durchaus islamische Reformer gegeben habe, wie z.B. der Ägypter Muhammad Abduh (1849-1905), der die Reformation in Europa rezipiert und versucht habe, die Moderne mit dem Islam zu versöhnen, hob der Marburger Islamwissenschaftler Dr. Assem Hefny hervor. Darüber hinaus seien vor Abduh immer wieder Reformer aufgetreten, die sich um neue geistige Impulse bemüht haben. Durch das Aufkommen fundamentalistischer Strömungen im 20. Jahrhundert seien diese reformerischen Bemühungen jedoch zum Stillstand gekommen.

Dr. Marwan Abou Taam:
Der Salafismus ist teilweise eine Reaktion auf die Reformbestrebungen

Der Salafismus sei z.T. eine Reaktion auf die Reformbestrebungen unter den Muslimen, sagte der Islamismus-Experte Dr. Marwan Abou Taam. Die Konstruktion von Feindbildern und die Abwertung Andersdenkender ersticke jeden reformatorischen Ansatz jedoch im Keim.

Dr. Dana Fennert:
Die Frauenbewegung in islamisch geprägten Gesellschaften hat reformatorisches Potenzial

Eine andere Perspektive stellte die Migrationsforscherin Dr. Dana Fennert vor, die über das reformatorische Potenzial der Frauenbewegung in den islamisch geprägten Gesellschaften sprach. Durch neue hermeneutische Zugänge zu Koran und Sunna versuchten muslimische Frauen die Gleichstellung mit dem Mann zu erreichen.

Aladdin Sarhan:
Die Erneuerung des Diskurses kann zur Lösung von innerislamischen Konflikten beitragen

Aladdin Sarhan, Leiter des MFD-Arbeitskreises „Gesellschaftlicher Friede und innere Sicherheit in Deutschland“, hob hervor, dass die Erneuerung des innerislamischen Diskurses zur Lösung innerislamischer Konflikte und zur Akzeptanz Andersdenker beitragen könne. Der Schlüssel dazu sei die Schaffung neuer humanistisch geprägter theologischer Zugänge durch aufgeklärte Muslime und eine humanistisch angelegte religiöse Bildung.

Jörgen Klußmann:
Welche Rolle wollen die Muslime zukünftig in der deutschen Gesellschaft einnehmen?

Muslime in Deutschland müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, welche Rolle sie künftig in der Gesellschaft spielen wollen, sagte Jörgen Klußmann, Studienleiter der Evangelischen Akademie im Rheinland. Es fänden sich bei einigen muslimischen Intellektuellen zeitgemäße demokratische und rechtsstaatliche Ansätze, die positiv auf das gegenwärtige und künftige Zusammenleben in der deutschen Gesellschaft wirken könnten.

Dr. J. Christian Koecke:
Angesichts einer zunehmend emotionalen Debatte ist es wichtig, die Vielfalt muslimischen Glaubens deutlich zum machen

Dr. J. Christian Koecke, Konrad-Adenauer-Stiftung wies darauf hin, dass es in Zeiten einer zunehmend undifferenzierten und emotionalen Debatte über den Islam von großer Bedeutung ist, wenn die Vielfalt muslimischen Glaubens und die Ansätze zu einem modernen Denken erkennbar werden.

Kooperationspartner: Konrad-Adenauer-Stiftung Kooperationspartner: Konrad-Adenauer-Stiftung

Reformen brauchen einen freiheitlich-demokratischen und pluralistischen Kontext
Weitere Vorträge befassten sich mit dem Gottes- und Menschenbild im Islam und ihren Auswirkungen auf das Denken und Handeln des Menschen (Jun.-Prof. Dr. Erdal Toprakyaran / Tübingen), der Vereinbarkeit von Demokratie und Islam (Dr. Martin Riexinger / Aarhus) sowie mit reformatorischen Ansätzen im Schiitentum (Dr. Heydar Shadi / Hamburg).

Alle Referenten und Diskutanten waren sich einig, dass Reformen einen freiheitlich-demokratischen und pluralistischen Kontext brauchen. Ein Rechtsstaat wie Deutschland biete einen solchen Rahmen, der von den Muslimen genutzt werden sollte.

Ahmad Mansour:
Symposium war von Offenheit und Interdisziplinarität geprägt

Der Psychologe Ahmad Mansour, Vorstandsvorsitzender des Muslimischen Forums Deutschland, begrüßte die Offenheit und Interdisziplin der Beiträge sowie die undogmatische Atmosphäre des Symposiums. Es brauche mehr solcher Bemühungen, in der Muslime gemeinsam mit Nichtmuslimen so brisante Themen wie die Reformfähigkeit des Islam diskutieren können.

Beiträge des Symposiums werden als Tagungsband veröffentlicht
Die Organisatoren, Aladdin Sarhan (MFD), Jörgen Klußmann (Evangelische Akademie im Rheinland) und Dr. J.Christian Koecke (Konrad-Adenauer-Stiftung) werden die Beiträge und die Diskussion in Form eines Sammelbandes im Reformationsjahr 2017 veröffentlichen. Die Veranstalter beabsichtigen zudem eine Fortsetzung der Debatte im Rahmen einer internationalen Tagung in 2017.

Die Tagung wurde gefördert mit Mitteln des Bundesministeriums des Inneren. 

Professor Dr. Dr. h.c. Jörn Rüsen. Foto: Aladdin Sarhan

Professor Dr. Mouhanad Korchide. Foto: A. Sarhan

Ahmad Mansour, Vorsitzender Sprecher des MfD (links). Foto: Aladdin Sarhan

Jun.-Prof. Dr. Erdal Toprakyaran. Foto: Aladdin Sarhan

Dr. Dana Fennert. Foto: Aladdin Sarhan

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Jörgen Klußmann M.A. / 10.10.2016



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