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Jörgen Klußmann 
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Blick in Plenum des 2. Friedesnethischen Studientags beim Vortrag von Oberkirchenrätin Pfarrerin Barbara Rudolph. Foto: Dorothea Zügner Bild-LupeFoto: Dorothea Zügner

Rückblick auf den 2. Friedensethischer Studientag

Eine aktuelle Herausforderung: Die Gräben in der Gesellschaft durch Versöhnung überwinden

"Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen." Dieser Satz Jesu aus der Bergpredigt ist eine Leitlinie für alle Christinnen und Christen. Doch wie können wir selbst zu Friedensstiftern werden? Altes hinter sich zu lassen, sich zu versöhnen ist ein wichtiger Baustein. Der 2. Friedensethische Studientag am 23. November 2019 stellte diesen Aspekt in den Mittelpunkt.

Zu den Akademiegesprächen mit den Referentinnen und Referenten des Studientages auf YouTube

Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiR hat am 11. Januar 2018 das „Friedenswort 2018 – Auf dem Weg zum gerechten Frieden“ anlässlich des Endes des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und angesichts einer gerade auch in unserer gegenwärtigen konflikt- und kriegsträchtigen Zeit als Diskussionsimpuls beschlossen. Das Leitbild des ‚gerechten Friedens‘ soll dabei im Vordergrund stehen. Die Evangelische Akademie im Rheinland in Bonn beteiligt sich mit drei friedensethischen Studientagen an diesen Konsultationen, die grundsätzlich auf unterschiedlichen kirchlichen Ebenen stattfinden. Die Ergebnisse sollen der Landessynode im Jahr 2021 in einer Dokumentation vorgelegt werden.

„Gelingen und Grenzen von Versöhnung“ lautete nun der Titel zum 2. Friedensethischen Studientag. Der 1. Friedensethische Studientag hatte sich 2018 damit auseinandergesetzt, welche Handlungsmöglichkeiten die Evangelische Kirche im Rheinland im Blick auf Rüstungsexporte hat – der nächste und letzte Studientag zum Thema "Gewaltfreiheit" ist für das Jahr 2020 geplant.

Die Referate des Vormittages kamen von Dr. Lutz Schrader, Konfliktberater und -trainer, freiberuflicher Dozent in der Friedens- und Konfliktforschung, Köln, dem Ökumeniker Prof. Dr. Gert Rüppel, Universität Bielefeld, sowie Dr. Claudia Lücking-Michel, Geschäftsführerin von AGIAMONDO e.V., Köln. Sie stellten vor etwa 55 aufmerksamen und fachkundigen Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmern nach der Begrüßung durch Kirchenrätin Pfarrerin Anja Vollendorf (EKiR) einem geistlichen Wort von Pfarrerin Stefanie Graner, Evangelische Friedenskirchengemeinde Bonn sowie der Einführung in das Thema durch den Studienleiter und Tagungsgastgeber Jörgen Erik Klußmann mit Leitfragen unterschiedliche Dimensionen von „Versöhnung“ vor: Was verstehen wir unter Versöhnung? Wie kann Versöhnung gelingen? Welche Rahmenbedingungen zum Gelingen braucht Versöhnung auf individueller und staatlicher Ebene? Wie sieht Friedens- und Versöhnungsarbeit konkret vor Ort aus?

Dr. Lutz Schrader. Foto: Dorothea Zügner Bild-LupeDr. Lutz Schrader. Foto: Dorothea Zügner

Die Welt aus den Fugen?
Den Anfang machte Dr. Lutz Schrader, der sich in seinem Beitrag „Versöhnung – Querschnittsaufgabe der Konfliktbearbeitung und Friedensförderung“ mit friedensethischen und praktischen Ansätzen und Gedanken beschäftigte.

Zunächst stellt Schrader fest, dass wir täglich erleben, dass und wie sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland verändern. Die Gesellschaft und die Welt kommt uns immer unübersichtlicher, spannungsreicher und ausdifferenzierter vor. Polarisierte Narrative stehen sich oft wie unversöhnlich gegenüber, z.B. Gott/Welt, Religion/Wahrheit, Kirche/Staat, Täter/Opfer, Unschuld/Schuld, Gut/Böse. Dazu stünden wir vor riesigen Herausforderungen durch Probleme wie z.B. der Bewahrung der physischen und psychischen Integrität oder der Schöpfung, dem fortschreitenden Klimawandel oder der Digitalisierung. So könnten wir im Netz zahlreiche verstörende Tendenzen beobachten, die sog. „Fake News“ oder kursierende Verschwörungstheorien; mythische und phantastische Erzählungen hätten Konjunktur, und es gäbe eine Renaissance des Religiösen, aber oft in der Form von purem Fanatismus und Fundamentalismus. Politische Spannungen und Kriege in zahlreichen Regionen verschärfen die Situation und führen zu Ängsten in der Bevölkerung. Lutz Schrader fragt eindringlich, wie wir in einer solchen Situation Ordnung, Sinn und Zuversicht stiften können, wo und wie sich kirchliche Versöhnungsarbeit Mut und Orientierung holen kann, um somit das „Reich Gottes“ hier auf Erden aufscheinen zu lassen: „Wie kommt heute das Gute in die Welt, und welchen Beitrag kann die Evangelische Kirche im Rheinland dazu leisten?“ fragt er.

Das Konflikt-Eskalationsmodell nach Friedrich Glasl
Dazu stellt Schrader zunächst das Konflikt-Eskalationsmodell nach Friedrich Glasl, dem österreichischen Ökonomen und Konfliktforscher vor, in dem sich jede Konfliktentwicklung in neun Stufen darstellen und identifizieren lässt.; das Modell kann auf persönlicher, beruflicher oder politischer Ebene gleichermaßen angewandt werden. Die Stufen reichen von 1. „Verhärtung“ über 2. „Polarisierung und Debatte“, 3. „Taten statt Worte“, 4. „Sorge um Image und Koalition“, 5. „Gesichtsverlust“, 6. „Drohstrategien“, 7. „Begrenzte Vernichtungsschläge“, 8. „Zersplitterung“ und schließlich 9. „Gemeinsam in den Abgrund“. Schrader empfiehlt, im ersten Schritt auf den Anderen zuzugehen und betont, dass es praktisch auf jeder dieser Stufen möglich sei, zu intervenieren und den Umkehrprozess, die Deeskalation einzuleiten. Möglichst früh sollten wir mit „Versöhnung“ anfangen: „Prävention ist die beste Versöhnung!“ sagt Schrader, das heißt für ihn, achtsam, gewaltfrei und empathisch ins Gespräch kommen, dem Anderen zuhören, selbst Verantwortung übernehmen und gemeinsam in die Zukunft blicken und sie gestalten. Versöhnung sei Beziehungsarbeit.

Versöhnung bedeutet nicht „Heilung“, sondern ist unvollkommen und bleibt brüchig
In der konkreten Versöhnungsbegegnung von Menschen kommen Prozesse und Veränderungen in Gang, die zum Teil sehr langwierig sein können: „Es wird in anderer Weise wieder gut, die Wunden bleiben aber“, fügt Schrader hinzu. Optimal sei es auch, wenn die individuellen und gesellschaftlichen Ebenen zusammenkommen im Versöhnungsprozess. Dazu  stellt Schrader fest: „Es braucht institutionelle Rahmenbedingungen und viele Menschen, die sich in zivilen Organisationen engagieren, um den Konflikt unterstützend und nachhaltig zu begleiten.

Was kann die Evangelische Kirche im Rheinland tun?
Diese Frage beantwortet Lutz Schrader ganz konkret: Die Kirche kann und sollte auf der Grundlage der christlichen Botschaft im Konfliktfall in ihrer Friedensarbeit weiterhin Einzelnen und Gruppen Gesprächs- und Handlungskompetenz anbieten, sie kann und sollte gewaltfördernde Strukturen mit mehr Entschiedenheit und Kreativität in Frage stellen und schließlich mit Ermutigung und Sinnstiftung in unübersichtlichen Zeiten den Menschen Orientierung bieten. „Alles steht in Frage, vieles muss neu gedacht und umgesetzt werden“, sagt Dr. Lutz Schrader zum Abschluss seiner Ausführungen.

Prof. Dr. Gert Rüppell. Foto: Dorothea Zügner Bild-LupeProf. Dr. Gert Rüppell. Foto: Dorothea Zügner

Mit „Lektionen aus Versöhnungsprozessen nach dem Zweiten Weltkrieg unter besonderer Berücksichtigung der Ökumene“ beschäftigt sich Prof. Dr. Gert Rüppell in seinem nun folgenden Vortrag. „Oh je“, ruft er zu Beginn erschrocken ins Publikum, „ein schwerer Konflikt, eine trennende Auseinandersetzung, war’s das jetzt?“ , um dann kurz und knapp festzustellen: „Versöhnung muss man für sich selber lernen.“

Seine Spurensuche in Europa bzw. Westdeutschland geht mit Blick auf zwischenstaatliche Konfliktsituationen diesen Fragen nach: Wo gibt es in der Nachkriegsfriedenspraxis Beispiele für gelungene Versöhnung? Was hat diese Ergebnisse bedingt, sind sie „übertragbar“? Gibt es in diesen Prozessen interkulturelle bzw. interreligiöse Aspekte, die die Versöhnung erleichtern bzw. erschweren? Und schließlich: Welche Rolle spielt die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen in Versöhnungsprozessen hier in Europa?

Kein Konflikt gleicht dem anderen
Eine erste Feststellung ist, so Rüppell, dass häufig sowohl der Konflikt als auch die Versöhnung kontextuell gebunden seien, d.h. Lernergebnisse beispielsweise aus der Versöhnungsgeschichte zwischen Deutschland und der Tschechei können nicht ohne weiteres auf andere Konfliktstaaten übertragen werden. Jeder Konflikt ist anders. Die Rolle der Kirchen und Religionsgemeinschaften beschreibt Rüppell in der Vergangenheit durchaus zweischneidig: Global gelte, dass sie in vielen Fällen näherer und fernerer Vergangenheit selbst für schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich gewesen seien, z.B. in Afrika (Ruanda/Burundi), Lateinamerika (Unterstützung der Diktaturen dort), die sog. Koppelschlosstheologie („Gott ist mit uns“) bedeutender Theologen, wie Adolf von Harnack, Karl Holl oder Ludwig Ihmels oder die Theologie der deutschen Christen unter Hitler. Gleichzeitig gilt, so Rüppell, dass die Kirchenführerinnen und Kirchenführer in verschiedenen Ländern immer auch wichtige Schlüsselrollen in Versöhnungsprozessen eingenommen hätten, z.B. Erzbischof Desmond Tutu in Südafrika oder Kardinal Arns in Brasilen, Ost-Timor und El-Salvador. Als deutsch-deutsches Beispiel führt Rüppel die Ostdenkschrift der EKD von 1965, die als Meilenstein im Ost-West Versöhnungsprozess bezeichnet werden könne oder auch der Hirtenbrief der polnischen Bischöfe von 1965, der die deutsch-polnische Schuldzuweisung durchbrochen hätte und den deutschen Mitchristen in deutscher Sprache, also der Sprache der Täter, geschrieben hatte: „Gewähren wir Vergebung und bitten um Vergebung.“

Frieden ohne Gerechtigkeit für alle Beteiligten führt zu Stillstand, aber nicht zur Versöhnung
Weiterhin zeichnet Gert Rüppell anschaulich nach, wie die ökumenische Bewegung seit 1948 („Christus existiert als Gemeinde “) mit ihren theologischen Ansätzen, dem interreligiösen Dialog und ihren interkulturellen Erfahrungen die Einheitsbewegung der christlichen Kirchen gestärkt und befördert hat. Als zentrale Texte zitiert er z.B. die Charta Oecumenica der Konferenz Europäischer Kirchen aus dem Jahr 1997, die Internationale Erklärung zum gerechten Frieden von 2011 oder das Missionspapier „Gemeinsam für das Leben“ aus dem Jahr 2012. Frieden ohne Gerechtigkeit für alle Beteiligten führe zu Stillstand, sagt Rüppell, aber nicht zur Versöhnung. So habe die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen über Jahre zur Findung von Problemlösungen beitragen können, wie in Mediationen und Vermittlungshandlungen im Sudan, in Indochina, in Südafrika, Namibia, Brasilien oder Ost-Timor.

Es geht um ein dialogisches WIR
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel sei der ökumenische Einfluss vor und in der friedlichen Revolution in der DDR gewesen. Ökumenisch sei der Gedanke, dass nicht nur die Kirche, sondern die Gemeinde, die ganze Gesellschaft, aufgefordert seien, einen versöhnlich bereiteten Nährboden zu bewahren und zu pflegen. Verhandlungen seien eine nur begrenzte, aber nötige Voraussetzung für Versöhnung, sie müsse dann alle Betroffenen einbinden: „Denn es geht um ein dialogisches WIR.“

Versöhnung heißt, sich der eigenen Verantwortung zu stellen und Schuld zu bekennen
Zugespitzt formuliert Rüppell: „Versöhnung fängt lange vor dem eigentlichen Versöhnungsprozess an, nämlich schon dann, wenn ich merke, dass ich dem Anderen Verwundungen zugefügt habe.“ Versöhnung, die nie dauerhaft und ein für alle Mal erledigt ist, kann dann gelingen, wenn die Konfliktparteien aufeinander zugehen und die gegenseitige Entfremdung und Verwundung aufarbeiten. So könnten Risse und Verwundungen langsam beginnen, zu heilen, und gegenseitiger Respekt kann wieder wachsen. Besonders nachhaltig und wirksam kann Versöhnung werden, wenn Parteien bzw. Repräsentanten staatlicher Organe bereit seien, sich der Verantwortung und der Schuld am Konflikt zu stellen und der anderen Seite offen, unvoreingenommen und emphatisch zuzuhören: So wird Versöhnung proaktiv zu einem Prozess der Begegnung und des Austauschs. Eindrucksvolle Beispiele für die Einsicht in Fehlverhalten und das Aussprechen der Vergebungsbitte sind: Willy Brandts Kniefall in Warschau (1970), der Besuch von Bundespräsident Gauck in Lidice/Tschechei (2012) oder die Bitte um Vergebung des Bundespräsidenten Steinmeier in Wielun/Polen am 1. September 2019. Eine solche Symbolik sei zentral und präge sich außergewöhnlich ins kollektive Gedächtnis ein, meint Rüppell. Sie könne dann – im  gemeinsamen Lernen, im gemeinsamen dialogischen Prozess – in ein Narrativ der Hoffnung und Zukunft übergehen.

Rüppell dankt zum Schluss seiner Ausführungen ausdrücklich der Evangelischen Kirche im Rheinland, auf dem Pfad des Lernens und des Dialogs eine Kirche des gerechten Friedens zu sein und appelliert, diesen Weg mit aller Kraft weiterzugehen.

Dr. Claudia Luecking Michel. Foto: Dorothea Zügner LupeDr. Claudia Luecking Michel. Foto: Dorothea Zügner

Wie kann weltweite Friedensarbeit aussehen?
„Ein zentraler Text für die katholische Friedensarbeit ist das Hirtenwort „Gerechter Friede“ aus dem Jahr 2000“, unterstreicht Dr. Claudia Lücking-Michels zu Beginn ihres Vortrags und schließt an mit der Frage: „Wie arbeiten denn nun die Fachkräfte vor Ort? Wie kann ich mir das vorstellen?“

Die CDU-Abgeordnete und katholische Theologin ist Geschäftsführerin des staatlich anerkannten Entwicklungsdienstes AGIAMONDO e.V., Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ZdK in Bonn und Mitglied in zahlreichen anderen friedensdienstlichen Organisationen. AGIAMONDO (ehem. Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe AGEH) ist mit ca. 280 Fachkräften im Sudan, im Ostkongo, in Timor Leste oder in Kolumbien das katholische Gegenstück zu Dienste in Übersee gGmbH, mittlerweile eine Tochtergesellschaft des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung e.V. EWEDE. Seit mehr als 60 Jahren vermittelt AGIAMONDO engagierte Menschen für die Mitarbeit bei kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen weltweit.

Anschaulich erzählt sie: Am Anfang steht oft die medizinische Erstversorgung mit Nahrung, Bildung und weiteren lebensnotwendigen Dingen, dann tritt man ein in den behutsamen Umgang mit gewaltbelasteter Vergangenheit (Traumata) der Menschen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen im Dialog, der möglichen Gewalt, die den Menschen angetan wurde, und deren Folgen konkret und kontextuell zu begegnen und sie in Gruppen und Gesprächskreisen aufzuarbeiten, z.B. durch Theaterspiel. Dann überlegt man gemeinsam: Wie geht es jetzt weiter? Es gäbe keine Patentrezepte, keine Muster dafür, konstatiert Claudia Lücking-Michel.

Sprache, Dialog und kultursensitive Kommunikation vor Ort
Sehr hilfreich seien die katholischen Dialogpartner in den Ortskirchen, mit denen die Fachkräfte zusammenarbeiten und ebenfalls unverzichtbar innerhalb der Organisation sind die z.Z. 14 Koordinatoren und Koordinatorinnen, die die jeweiligen Landesprogramme und die Zusammenarbeit mit anderen Partnerorganisationen steuern. „Wichtig ist“, betont Frau Lücking-Michel, „aber immer wieder die Sprache, das Urinstrument für die Begegnung und die kultursensitive Kommunikation“, um die gemeinsamen Lernprozesse vor Ort zu begleiten und diese wichtigen und schwierigen Einsätze und Arbeiten vor Ort gut zu erfüllen.

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph. Foto: Dorothea Zügner LupeOberkirchenrätin Barbara Rudolph. Foto: Dorothea Zügner

Die Evangelische Kirche im Rheinland wirkt am Prozess der Versöhnung mit
Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, die das Referat 1 (Theologie und Ökumene) der Landeskirche leitet, dankte zum Abschluss des Studientages der Akademie, dass sie den Diskussionsprozess der Evangelischen Kirche zum ihrem Friedenswort im Rheinland begleitet.  Frieden sei wieder „dran“, so die Theologin und gerade für Deutschland sei Versöhnung besonders wichtig. Wie schwierig es sei,  damit tiefe Gräben zu überwinden, habe man am Beispiel des Versöhnungsprozesses in Südafrika, den Bischof Desmond Tutu angestoßen hatte, lernen können, denn die Wahrheit sei oft besonders schmerzhaft. Wie Versöhnung beginnen kann, zeige die Arbeit von Aktion Sühnezeichen, die das  Wesentliche ihrer Arbeit selbst so beschreibt: „… die Sühnezeichen-Gründer baten die Völker, die von uns Gewalt erlitten haben, dass sie uns erlauben, mit unseren Händen und mit unseren Mitteln in ihrem Land etwas Gutes zu tun.“

Diese Formulierung zeige deutlich, dass nur mit Demut und Engagement Versöhnung gelingen kann. Dabei gebe es aber klare Regeln: Vertraulichkeit, Zulassen von unterschiedlichen Perspektiven, das Verlassen der Kategorien `falsch´ und `richtig´. Auf diese Weise könnten sich Juden und Palästinenser, Namibier und Deutsche, Ost und West begegnen, um nur einige Beispiele zu nennen. Dann könne Vergangenheit aufgearbeitet werden und Zukunft vorbereitet werden. Die Evangelische Kirche im Rheinland sei mit Demut, aber auch mit Eifer dabei, an einem Frieden durch Versöhnung mitzuwirken, im Glauben daran, dass Gott die Welt versöhnt hat mit sich selbst und uns beauftragt hat, an Christi statt um Versöhnung zu bitten. 

Praktische Hinweise

Die Beiträge der Tagung werden bei epd-Dokumentation veröffentlicht.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: 24. März 2020

Studienleiter Jörgen Klußmann hat mit den Referentinnen und Referenten der Tagung Interviews geführt. Diese Interviews werden auf dem YouTube-Kanal der Evangelischen Akademie im Rheinland sukzessive in der Playlist „Friedensethik“ veröffentlicht.

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Dorothea A. Zügner/Jörgen Klußmann/ms / 11.12.2019



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