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Gegenzeichnung der Kapitulationserklärung, 8. Mai 1945, Berlin-Karlhorst Links: Der Vertreter des Oberkommandos der Roten Armee, G. K. Shukow, am Tischende Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel. Foto: Wikimedia Commons, Bundesarchiv, CC BY-SA 3.0 Gegenzeichnung der Kapitulationserklärung, 8. Mai 1945 in Berlin-Karlhorst Links: Der Vertreter des Oberkommandos der Roten Armee, Marschall G.K. Shukow, am Tischende Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel. Foto: Wikimedia Commons, Bundesarchiv, CC BY-SA 3.0

Blogbeitrag von Studienleiter Jörgen Klußmann

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg

75 Jahre ist der Zweite Weltkrieg vorbei. Vergessen scheinen Elend, Not und das Grauen, das er ausgelöst hat. Stattdessen erleben wir, wie sich immer mehr Menschen weigern, die Tragweite und die langfristigen Konsequenzen des Krieges zu begreifen und welche Bedeutung er für die Nachkriegsordnung hat.

In der Nacht vom 6. auf den 7. Mai vor 75 Jahren unterzeichnete eine deutsche Delegation, angeführt von Generaloberst Alfred Jodl in Reims die bedingungslose Kapitulation von Nazideutschland. Versuche von Seiten der Deutschen, Verhandlungen über eine Teilkapitulation mit den Westmächten zu erreichen, wurden vom Oberbefehlshaber der westlichen alliierten Streitmächte, General Dwight D. Eisenhower zurück gewiesen. Bis zuletzt hatte die deutsche Seite versucht, einen Keil zwischen die Sowjetunion und die Westmächte zu treiben und sogar die Kampfhandlungen gegen die Rote Armee fortgesetzt. So kam es am 8./9. Mai zu einer Wiederholung der Unterzeichnung in Berlin. Der Selbstmord Hitlers am 30. April 1945 hatte auch den letzten seiner Anhänger deutlich gemacht, dass sich der selbst ernannte Führer durch seinen Freitod seiner Verantwortung entzogen hatte. Stattdessen sollte lieber das gesamte Volk dem Untergang preisgegeben werden. Fanatische Freischärler nutzten noch die letzten Tage des Krieges, um tausende Unschuldige, die sich dem Wahnsinn entziehen wollten und bis dahin überlebt hatten, zu lynchen oder zu erschießen. Die Befreier stießen bei ihrem Vormarsch auf zahlreiche Opfer, die an Laternenpfählen oder Bäumen aufgehängt worden waren. Der Wahnsinn tobte bis zum absoluten bitteren Ende und nahm vor allem vielen jungen und alten Menschen das Leben, die Hitler und das NS-Regime als das letzte Aufgebot im so genannten „Volksturm“ noch mobilisiert hatten.

Heute, 75 Jahre danach, scheint das Grauen in weite Ferne gerückt zu sein. Nur wenige Zeitzeugen leben heute noch und mit ihnen stirbt auch langsam aber sicher die Erinnerung – ein Umstand, den sich die neue Rechte immer mehr zu Nutze macht und Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Islamophobie und Homophobie wieder salonfähig machen wollen. Der AfD-Vorsitzende Gauland, hat die Forderung zurück gewiesen, den 8. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu machen, um die Befreiung vom Nationalsozialismus zu würdigen. Seine Begründung: Dieser Tag sei zwar eine Befreiung für die Insassen von Konzentrationslagern gewesen aber für Deutschland eine absolute Niederlage und ein Verlust von Gestaltungsspielraum. Der Gedankengang von Gauland zeigt, dass er bis heute nicht verstanden hat, welches Elend, welche Not und welches Grauen Nazideutschland über Europa und die Welt gebracht hat.

Bis heute behandeln Therapeuten die psychischen Folgen von Kriegsopfern – Männer, die kämpfen mussten, Frauen, die vergewaltigt wurden und Menschen, die damals  Kinder waren und bis heute immer noch von schrecklichen Erinnerungen heimgesucht werden. Bis heute beherrscht die Nachkriegsordnung das Weltgeschehen. Die Teilung Deutschlands war eine unmittelbare Folge des zweiten Weltkriegs ebenso wie der Kalte Krieg und die bis heute andauernden Spannungen zwischen der westlichen Welt und Russland. Natürlich hat es neue Entwicklungen gegeben, wie den Aufstieg Chinas und der Schwellenländer, doch im Wesentlichen besteht bis heute eine globale Ordnung, die aus dem zweiten Weltkrieg hervor gegangen ist. Nach wie vor kontrollieren die Siegermächte das höchste Gremium der Vereinten Nationen, den Sicherheitsrat und verhindern mit ihrem Vetorecht wichtige Reformen und eine notwendige globale Zusammenarbeit. Was das bedeutet, erleben wir in Zeiten von Corona und Klimawandel mit aller Deutlichkeit: Die Wiederauferstehung des Nationalismus – als hätte es den Krieg nie gegeben.

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JK, ms / 08.05.2020



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