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Blog von Studienleiter Jörgen Klußmann

500 Jahre Reformation - und jetzt? In seinem neuen Blogbeitrag lädt Jörgen Klußmann zum Gespräch darüber ein.

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Tagung am 1/2. Juni 2012: Informationen zu China aus erster Hand

China: Wohin will das Reich der Mitte?

Die Weltmacht China im internationalen Maßstab stand am 2./3. Juni 2012 im Mittelpunkt einer Akademietagung.

China: Land der Gegensätze: Foto: © photocase.com.Ico_daniel LupeChina: Land der Gegensätze: Foto: © photocase.com.Ico_daniel

So fern und doch so nah: China, das Reich der Mitte. Rund 7.400 Flugkilometer liegen zwischen den beiden Hauptstädten Berlin und Peking. Ungeachtet dieser Entfernung gibt es zwischen Deutschland und China zahlreiche Wirtschaftsbeziehungen. In der Volksrepublik produzierte Alltagsgegenstände, Kleidung oder elektronische Geräte finden sich in fast jedem deutschen Haushalt.

China: zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt
China, mit 1,35 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde, ist seit dem Übergang von der Plan- zu einer staatlich gelenkten Marktwirtschaft im letzten Jahrzehnt zur derzeit zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hinter den USA aufgestiegen. Auch an den europäischen Märkten ist das Reich der Mitte stark präsent, als Anbieter von Waren, als Konkurrent um Aufträge oder durch Beteiligung oder Kauf von Unternehmen. Für Deutschland und die anderen europäischen Länder ist China ein Absatzmarkt, aber auch ein Unternehmensstandort mit niedrigen Lohnkosten und zudem häufig weniger Auflagen für den Umweltschutz. 

China: expansive Handelsaußenpolitik
In der Weltwirtschaftskrise hat das Land durch seine großen Devisenreserven zur Stabilisierung der Geldmärkte beigetragen, gleichzeitig sichert es sich wichtige Rohstoffe in Afrika und Asien – in beiden Fällen scheinbar ohne weitere politische Einflussnahme.

China: die Innenpolitik bestimmt immer wieder die Schlagzeilen
Zugleich bestimmt die innenpolitische Lage in China immer wieder unsere Schlagzeilen. China wird weiterhin von der Kommunistischen Partei autoritär regiert. Unterdrückung von Minderheiten, Verfolgung von Regierungskritikern und Kontrolle der Medien gehören zum Alltag.

China: die unterschiedlichen Facetten der Weltmacht stehen jetzt im Mittelpunkt einer Akademie-Tagung
Rasantes Wirtschaftswachstum, eine expansive Handelsaußenpolitik, Unterdrückung von Minderheiten, Verfolgung von Regierungskritikern, Kontrolle der Medien und wachsende soziale Unterschiede – das alles sind Facetten der Volksrepublik China.  

„Welche Interessen verfolgt China?“ Diese Frage stellte die Tagung:

Weltmacht China im internationalen Maßstab 
Wohin will das Reich der Mitte?
Freitag, 1. Juni 2012, bis Samstag, 2. Juni 2012

Die Referentinnen und Referenten kamen aus der Wissenschaft und dem Journalismus. Alle kennen China aus erster Hand.

Themen des ersten Tages:
Historischer Überblick, Wandel von der Plan- zur Marktwirtschaft, Innenpolitik
Im Mittelpunkt des ersten Tages stehen die außenpolitischen Aspekte.

Einen historischen Überblick über Chinas Ab- und Wiederaufstieg zur Weltmacht in den letzten 100 Jahren gab Professor Dr. Helwig Schmidt-Glintzer. Der Sinologe ist seit 1993 Direktor der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und profunder Kenner der chinesischen Geschichte und Religion.

Die Volks- und Betriebswirtin Dr. Margot Schüller forscht zur Innovationspolitik in China, Indien und Südostasien, zu Auslandsinvestionen chinesischer Unternehmen und über den Wandel von der Plan- zur Marktwirtschaft. Dieser Systemwandel war Thema des Referats von Schüller, die stellvertretende Direktorin des außeruniversitären GIGA Instituts für Asien-Studien ist, einer Regionaleinrichtung des Leibniz-Instituts für Globale und Regionale Studien.

Die Politikwissenschaftlerin und Sinologin Dr. Anja D. Senz nahm die innenpolitischen Strukturen in den Blick und fragte: „Wie stabil sind Staat und Partei im Reformprozess?“. Senz ist Geschäftsführende Direktorin des 2009 an der Universität Duisburg-Essen gegründeten Konfuzius-Instituts Metropole Ruhr. Vergleichbar den Goethe-Instituten engagieren sich die Konfuzius-Institute für den kulturellen Austausch und die Vermittlung von Sprachkenntnissen. Sie werden je zur Hälfte von deutschen und chinesischen Kooperationspartnern finanziert.

Der Beitrag ging der Frage nach mit welchen sozialen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen ist China als Folge des Reformprozesses konfrontiert ist, wie China politisch und administrativ strukturiert ist und wie das chinesische System die rapiden sozio-ökonomischen Veränderungen verarbeitet. Kann das System unter diesen Bedingungen stabil sein oder ist ein Kollaps zu befürchten?

Der Tag schloss mit einer Podiums- und Plenumsdiskussion. Auf dem Podium saß neben den Referenten des Tages Dr. Hao Gui, Chef vom Dienst Asien Programme bei der Deutschen Welle.

Themen des zweiten Tages:
Lage der nationalen Minderheiten, Bürgerrechtsbewegungen und die Bedeutung der neuen Medien für die Opposition

Die Beiträge des zweiten Tages beschäftigten sich mit der Situation von nationalen Minderheiten, von Bürgerrechtsbewegungen und Oppositionellen. „Die gescheiterte Revolution auf dem Tian’anmen-Platz und ihre Folgen“ analysierte Sven Hansen, Asienredakteur bei der Tageszeitung (taz), Berlin. In seinem zweiten Beitrag ging er darauf ein, welche Herausforderung Internet und Microblogging für die staatliche Kontrolle der Medien bedeuten.

Über die nationalen Minderheiten zwischen kultureller Anpassung und Autonomie berichteet Dr. Anja D. Senz. China ist ein Vielvölkerstaat mit 55 offiziell anerkannten Minderheiten. Der Beitrag ging der Frage nach, was die Beziehungen zwischen hanchinesischer Mehrheit und den verschiedenen ethnischen Minderheiten kennzeichnet, wie sich die chinesische Minderheitenpolitik entwickelt hat und welche Veränderungen sich im Zuge des Reformprozesses ergeben haben.

Die Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin Dr. Xu Pei  sprach in ihrem Referat über „Zivilgesellschaftliche Entwicklung zwischen Bürgerengagement und Bürgerprotest“. Die in Tibet geborene Schriftstellerin lebt seit 1988 in Europa im Exil. Sie engagiert sich für in China verfolgte Personen und Gruppen. In ihrem Beitrag wurden Dr. Wang Binzhang, der Rechtsanwalt Gao Zhisheng, der blinde Bürgerrechtler Chen Guangcheng, der Künstler Ai Weiwei und die Falun Gong-Bewegung vorgestellt.  

Einen Bericht über die Tagung finden Sie hier.

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hbl / 04.06.2012



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