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32. Friedenskonsultation

Quo vadis Bundeswehr?

Die 32. Friedenskonsultation der landeskirchlichen Friedensausschüsse und der christlichen Friedensdienste am 15./16. Juni 2012 beschäftigte sich mit dem Wandel der Bundeswehr zur Einsatzarmee und den Konsequenzen für eine ökumenische Friedensethik

Das Podium war besetzt mit Vertretern aus Forschung, Politik und Bundeswehr LupeDas Podium war besetzt mit Vertretern aus Forschung, Politik und Bundeswehr

Die Veränderung der Bundeswehr von einer Verteidigungsarmee zu einer Einsatzarmee hat bereits nach dem Ende des Kalten Krieges begonnen. Neben der Landesverteidigung steht heute die internationale Konfliktverühtung und Krisenbewältigung im Fokus. Der Prozess folgt ähnlichen Umstrukturierungen wie zuvor in anderen NATO-Ländern.  

Welchen Kriterien folgt die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik heute, wie sieht sie die Rolle der Bundeswehr in der Zukunft aus?

Welche Konsequenzen hat die neue Ausrichtung der Bundeswehr für die ökumenische Friedensethik?
Das Thema ist im Blick auf die friedensethischen und friedenspolitischen Aussagen sowohl der evangelischen, der katholischen und der Freikirchen in Deutschland von zentraler Bedeutung. Neben den sicherheitspolitischen Fragen gilt es - insbesondere nach der Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation in Kingston/Jamaika (Mai 2011) - die Konsequenzen einer zukünftigen ökumenischen Friedensethik zu bedenken: Welche Auswirkungen hat die neue Ausrichtung der Bundeswehr für die ökumenische Friedensethik, die in ihrem Leitbild vom Gerechten Frieden der zivilen Konfliktbearbeitung eindeutig Vorrang gegenüber militärischen Interventionen gibt?  

32. Friedenskonsultation beschäftigte sich mit Neuausrichtung der Bundeswehr und Auswirkungen auf die friedensethischen Aussagen der Kirchen  
Um diesen Fragenkomplex ging es bei der 32. Friedenskonsultation der  EKD-weiten landeskirchlichen Friedensausschüsse und der christlichen Friedensdienste. Sie fand am 15./16. Juni 2012 in Königswinter statt und wurde von der Evangelischen Akademie im Rheinland ausgerichtet:  

Quo vadis Bundeswehr?
Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft  

Am Freitagabend: 
Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Vorsitzender des Rates der EKD, zu Stand der Friedensarbeit in der Evangelischen Kirche im Rheinland
Nikolaus Schneider, Präses der gastgebenden Evangelischen Kirche im Rheinland und Vorsitzender des Rates der EKD, nahm am Freitagabend, 19.00 Uhr, Stellung zum aktuellen Stand von Friedensarbeit und Friedensethik in der EKiR.

In seinem Vortrag bezog sich Präses Schneider auf die Arbeit der EKiR zum konziliaren Prozess und im Bereich der Friedensethik. Im Artikel 1 ihrer Kirchenordnung hat sich die rheinische Kirche dem 1983 durch den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) ausgerufenen konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung verpflichtet. Er bestimmt den Auftrag und den inhaltlichen Rahmen für ihre friedensethische Arbeit. Gemeinsam mit den anderen Gliedkirchen der EKD ist die rheinische Kirche dem Leitbild vom Gerechten Frieden und dem Vorrang der Gewaltfreiheit verbunden. Deshalb tritt sie für die zivile, nicht militärische Prävention und Arbeit in gewaltförmigen Konflikten ein.zum Thema der Konsultation Stellung.  

Schneider: Kirche des Friedens heißt: Aktiv für Gerechtigkeit eintreten
Präses Schneider unterstrich die Notwendigkeit, sich aktiv für den Frieden zu engagieren. Christen dürften sich nicht darauf reduzieren, den Frieden Gottes zu predigen. Er müsse vielmehr auch in der Arbeit sichtbar werden:

"Kirche des Friedens heißt: als aktiv für Frieden und Gerechtigkeit eintretende Kirche sichtbar und überzeugend zu sein. Es geht um Arbeit an der Basis, um Bildungsarbeit, um Querschnittsaufgaben zwischen den Arbeitsfeldern in unseren Kirchen, um Vermittlung in Gesellschaft und Politik", so Schneider.

Schneider: Christliche Friedensarbeit muss den interreligiösen Dialog suchen
Ausdrücklich wies er dabei auch auf die Wichtigkeit des interreligiösen Dialogs hin: Die ökumenische Friedenskonvokation in Jamaika habe 2011 von der Verpflichtung gesprochen, eine 'Kultur des Friedens' aufzubauen und den Frieden als 'Grundwert' aller Religionen anerkannt.  "Für uns heißt das, den interreligiösen Dialog noch stärker als bisher zu suchen. Diese Dimension christlicher Ökumene kann gar nicht genug betont werden. Unser Friedenszeugnis muss über seinen eigenen Kontext, in dem es entwickelt wird, hinaus weisen", betonte Schneider. Dabei sprach er auch den Dialog mit den muslimischen Gruppen in Deutschland ausdrücklich an. Er hoffe, so Schneider, dass dieser Dialog bald besser gelinge. Denn Christen und Muslime hätten ein starkes verbindendes Element, die Liebe zu Gott.

Schneider: Arbeit für einen gerechten Frieden ist ein kirchliches Pflichtprogramm
"Salz der Erde" zu sein, Strukturen anzuregen und mit aufzubauen, die Frieden möglich machen, sei auch in Zukunft Aufgabe der Kirche. Ein Schlusspunkt sei dabei nicht in Sicht: " Die Themen gehen nicht aus", meinte der Präses und unterstrich abschließend die zentrale Bedeutung der Friedensarbeit für die Kirchen: "Die Arbeit für einen gerechten Frieden ist kein Kürprogramm, sondern ein kirchliches Pflichtprogramm!"    

Eröffnungsvortrag der Konsultation:
Andreas Zumach: Wohin marschiert die Bundeswehr?
Zuvor eröffnete am Freitagnachmittag der Journalist Andreas Zumach, Experte u.a. für Sicherheitspolitik, die Tagung mit einem Referat zu der Frage: „Wohin marschiert die Bundeswehr – was ist ihr sicherheitspolitischer Auftrag?“.  

Podiumsdiskussion mit Vertretern von Bundeswehr, Forschung, Politik
An der anschließenden Podiumsdiskussion „Von der Verteidigungs- zu Einsatzarmee – Auswirkungen der Transformation auf Kirche, Gesellschaft und Politik“ nahmen Vertreter aus der Bundeswehr, aus der Forschung und der Politik teil:

Austausch zu Einzelaspekten in den Arbeitsgruppen
Im weiteren Verlauf wurden Einzelaspekte in Arbeitsgruppen erörtert. Dabei ging es  u. a. um das unausgeglichene Verhältnis zwischen zivilen und militärischen Ressourcen, die strategische Ausrichtung von zukünftigen Einsätzen der Bundeswehr, die innere Führung und die persönliche und familiäre Situation der Soldatinnen und Soldaten. Impulsvorträge in den Arbeitsgruppen kamen von 

  • Kathrin Vogler MdB DIE LINKE:
    "Hat die deutsche Parlamentsarmee eine Zukunft?"
  • Dr. Anja Seiffert, Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr, Strausberg:
    "Wie prägt und verändert der Einsatz die Soldaten, ihr Selbstverständnis und die Bundeswehr als Organisation?" 
  • Militärdekan Stefan Jurkiewicz, evangelischer Militärseelsorger:
    "Wie reagieren Gesellschaft und Kirche auf Rückkehr, Trauma und Tod?"
  • Winfried Nachtwei, MdB Bündnis 90/Die Grünen a.D., Mitglied im Beirat Innere Führung des Bundesministeriums für Verteidigung, Ko-Vorsitzender des Beirats Zivile Krisenprävention beim Auswärtigen Amt, Münster:
    "Wie wirkt sich die Transformation der Bundeswehr auf die Innere Führung aus?"

Friedenskonsultation beschloss Resolution zur deutschen Sicherheits- und Außenpolitik
Zum Abschluss ihrer Zusammenkunft beschloss die 32. Friedenskonsultation eine Resolution zur deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Die strategische Neuausrichtung der Bundeswehr nach Beendigung des Afghanistan-Krieges solle sich am Friedensgebot des deutschen Grundgesetzes ausrichten, fordert die Konsultation.

Der volle Wortlaut der Resolution ist hier nachzulesen.    

Überführung der Friedenskonsultation in die "Ökumenische Konsultation Frieden und Gerechtigkeit"
Auf der diesjährigen Konsultation haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Hinblick auf ihre zukünftige Arbeit beschlossen, die Friedenskonsultation in eine „Ökumenische Konsultation Frieden und Gerechtigkeit“ zu überführen und damit die Arbeit des "Offenen Forums" weiterzuführen. Das „Offene Forum“ war nach Beginn der „Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt" des Ökumenischen Rates der Kirchen (2000) eingerichtet worden und endete mit dem Abschluss der Dekade 2011. Ansprechpartner der Ökumenischen Konsultation Frieden und Gerechtigkeit sind Ulrich Frey, Evangelische Kirche im Rheinland, und Jan Gildemeister, Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF)

Über die Friedenskonsultation
Die Friedenskonsultation gibt es seit 1980.  Zum Vorbereitungskreis der 32. Konsultation gehören Almut Bretschneider-Felzmann, Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, Detlev Bresier, Evangelische Kirche der Pfalz, Bert Gedenk, Evangelisch-reformierte Kirche, Jan Gildemeister für die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), Mechtild Gunkel, Friedensbeauftragte des Reformierten Bundes, Ulrich Frey, EKiR, und Uwe Trittmann, Evangelische Kirche von Westfalen.

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hbl / 17.06.2012



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