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Akademiegespräch zur aktuellen Lage der Kurden in Deutschland

Ethnologe Karatas: „Die Kurden haben die Migration als Chance genutzt"

Die Kurden haben die Migration als Chance genutzt und sind dankbar dafür. Nun will die junge Generation als kurdisch wahrgenommen werden. Davor muss man aber keine Angst haben.“ Das ist das Resümee von Avdo Karatas. Der kurdische Ethnologe untersucht im Rahmen seiner Promotion die Situation der in Deutschland lebenden kurdischen Migranten.

Es gab zwei Migrationswellen, so Karatas. Die erste Migrationswelle fand bis  zum Anfang der 70er Jahren statt. Viele der Kurden kamen als Gastarbeiter, 20 Prozent  von ihnen waren Analphabeten.

In den 80er Jahren, als die politische Repression in der Türkei und dem Iran insbesondere zunahm, gab es eine zweite, politische Migrationswelle. Zu dieser Zeit begingen Kämpfer der Arbeiterpartei Kurdistans (Partiya Karkerên Kurdistanê; PKK) auch in Deutschland Verbrechen. Die Kurden wurden daher als Terroristen betrachtet.

Image der in Deutschland lebenden Kurden hat sich deutlich verbessert
Anders heute: Nach der Verhaftung von PKK-Chef Abdullah Öcalan und dem Ende des bewaffneten Kampfes wurde es ruhiger um die Kurden. Mit  ihrem bewaffneten  Kampf gegen die fanatischen Anhänger des sogenannten islamischen Staates in Syrien und dem Irak haben sie ihr Image auch in Deutschland deutlich verbessert.

Kurden in Deutschland sind sehr heterogen
Heute leben zwischen 1 und 1,2 Millionen Kurden aus unterschiedlichen Herkunftsländern in Deutschland. Sie sind im Blick auf Biographie und aktuelle soziale Lage aber viel zu heterogen, um gemeinsame politische Interessen zu vertreten, so Avdo Karatas.

Zur Person
Avdo Karatas wurde in Idil/Sirnak in der Türkei geboren. An der Universität Hacettepe in Ankara hat er sein Magisterexamen als Ethnologe abgelegt. Derzeit arbeitet er als sozialpädagogische Fachkraft und promoviert an der Universität Freiburg in europäischer Ethnologie über die Situation der Kurden in Deutschland. Seine Forschungsschwerpunkte sind Identität, Nationalismus und Migration.

Über die Tagung
Das Akademiegespräch mit Avdo Karatas hat Studienleiter Jörgen Klußmann  am Rande der Tagung „Die Kurden – ein Volk ohne Staat“ geführt. Zu der Tagung hatten die Evangelische Akademie im Rheinland und NAVEND-Zentrum für kurdischen Studien e.V. am 4. Mai 2019 nach Bonn eingeladen.

Mehr über die Tagung „Die Kurden – ein Volk ohne Staat“Tagung

hbl, ms / 05.07.2019


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