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Hermann-Josef Frisch (li.) aus Overath und Mouhanad Khorchide (re.) aus Münster im Oberwiehler Paul-Schneider-Haus. Foto: Kirchenkreis An der Agger/J. Thies

Hermann-Josef Frisch (li.) aus Overath und Mouhanad Khorchide (re.) aus Münster im Oberwiehler Paul-Schneider-Haus. Foto: Kirchenkreis An der Agger/J. Thies

Evangelischer Kirchenkreises An der Agger, 28.09.2019

Interkulturelle Woche: Mouhanad Khorchide und Hermann-Josef Frisch über einen gemeinsamen Gott der Liebe

Einen intensiven interreligiösen Diskurs erlebten die mehr als 100 Gäste im Oberwiehler Paul-Schneider-Haus. Eingeladen hatten die Evangelische Akademie im Rheinland und der Evangelische Kirchenkreis An der Agger.

In einem intensiven Gesprächsabend haben sich der Islamwissenschaftler Prof. Dr. Mouhanad Khorchide und der Autor und katholische Priester i.R. Hermann-Josef Frisch über Gründe und Lösungen für Konflikte zwischen den Religionen ausgetauscht.  Das Motto der Interkulturellen Woche „Zusammen leben – zusammen wachsen“ untermauerten sie mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen aus dem Bibel- und dem Koranstudium sowie aus der Geschichte beide Religionen.

Wahrheitsanspruch statt Absolutheitsanspruch
Beide Wissenschaftler gingen in ihren Eingangsreferaten  auf das Thema „Konfliktgeschichten zwischen Christen und Muslimen – Vom Kolonialismus bis zum 11. September“ ein. Kern der Analyse war die Erkenntnis, dass Kriege und Gewalt nicht mit Aussagen aus den Heiligen Schriften des Christentums und des Islams begründet werden können. An keiner Stelle rufe der Koran zu Hass und Gewalt auf, betonte Khorchide, wenn man den Kontext einbezieht. Im Gegenteil werde den Christen ewige Glückseligkeit zugesagt. Jesus werde im Koran als Wort Gottes und als Geist Gottes bezeichnet. "Zu sagen, das ist mein wahrer Weg, ist legitim. Zu sagen, mein Weg ist der einzig richtige, ist gefährlich." Religionen dürften sich nicht für Machtansprüche von Regimen instrumentalisieren lassen.

Mittel gegen aggressive Intoleranz seien eine gute Kenntnis der anderen Religion und der Andersgläubigen sowie viele persönliche Begegnungen, sagte Frisch. Er selbst hat während seiner Reisen sechs Jahre in Asien verbracht. Über seine Erkenntnisse schrieb er mehr als 200 Bücher. Sein jüngstes Buch heißt „Wie Muslime leben. Traditionen, Feste, Alltagsleben“.

"Die Lösung liegt bei jedem einzelnen"
Mouhanad Khorchide fühlte sich „geehrt“, dass er mit Frisch gemeinsam den Gesprächsabend gestalten dürfe.  Der Islamwissenschaftler ist Leiter des Zentrums für Islamische Theologie und Professor für Islamische Religionspädagogik in Münster. Khorchide betont in seinen Büchern (etwa „Islam ist Barmherzigkeit. Grundzüge einer modernen Religion“), dass Menschen mit der Vorstellung von einem liebenden Gott in den Heiligen Schriften bekannt werden und dass sie diese Liebe auch leben müssen. Der Absolutheitsanspruch, den manche Muslime im Koran begründet sehen, sei gefährlich und eine Baustelle, die durch eine innerislamische Aufklärung noch bearbeitet werden müsse. „Wir müssen uns – jeder persönlich - immer fragen, wie wir uns schützen können vor politischer Instrumentalisierung. Die Lösung liegt in der Basis, bei jedem einzelnen.“

Gemeinsames Glaubenshaus
Frisch und Khorchide betonten das Bereichernde in den verschiedenen Bekenntnissen. Khorchide sagte: „Jeder, der sich unter einen barmherzigen Gott stellt, kann gemeinsam mit anderen wirken für Frieden und die Bewahrung der Schöpfung.“ Hermann-Josef Frisch sprach von einem gemeinsamen Glaubenshaus, in dem jeder die Zimmer der anderen besuchen könne, um gestärkt und bereichert zurückzukehren in sein eigenes Zimmer. Gemeinsame Gebete halte er für gut und richtig. Und ja, er glaube an einen einzigen, gemeinsamen Gott der abrahamitischen Religionen, sagte Frisch auf die Frage aus dem Publikum, das zwischendurch und am Ende der Veranstaltung viel Beifall spendete.  

Schülerinnen und ein Schüler der Oberstufe des Bonhoeffer-Gymnasiums in Wiehl hatten die beiden Referenten eingangs mit einer Präsentation vorgestellt und in das Thema eingeführt durch einen Vergleich der Lebensläufe Jesu und Mohammeds. Das Thema hatten sie mit ihrem Religionslehrer Hans-Georg Pflümer erarbeitet.

Jürgen Knabe, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises An der Agger, und Schulreferent Pfarrer Matthias Weichert hatten als Veranstalter die Gäste im Oberwiehler Paul-Schneider-Haus begrüßt und sich bei der gastgebenden Evangelischen Kirchengemeinde Wiehl bedankt.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Jörgen Klußmann, Studienleiter der Evangelischen Akademie im Rheinland.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Evangelischen Kirchenkreises An der Agger.

 

Judith Thies, ms / 02.10.2019


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