Logo EKiR

Plattform Zivile Konfliktbearbeitung feiert 10jähriges Bestehen

Friedensfähigkeit auf dem Prüfstand

Vom 4. bis 6. April 2008 fand in der Evangelische Akademie im Rheinland die Jubiläumstagung anlässlich des 10jährigen Bestehens der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung statt.

Plenum der Tagung anlässlich des 10jährigen Bestehens der Plattform. Foto: Tilmann Evers

Plenum der Tagung anlässlich des 10jährigen Bestehens der Plattform. Foto: Tilmann Evers

Das gewählte Thema "Friedensfähigkeit auf dem Prüfstand" gab Gelegenheit sowohl zu Rückblick als auch zu Ausblick. Insbesondere wurden die Perspektiven der weiteren Arbeit der Plattform ausgelotet.

Jubiläumstagung in der Evangelischen Akademie im Rheinland:
neue Herausforderungen für die Zivile Konfliktbearbeitung

„Wir freuen uns, dass diese Tagung mit der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung hier in der Akademie stattfindet“, begrüßte Studienleiter Jörgen Klußmann die rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Tagungsbeginn. Klußmann verantwortet an der Akademie den Arbeitsbereich Friedenspolitik und Konfliktbearbeitung. Die neuen Herausforderungen auf globaler ebenso wie auf kommunaler Ebene, in der MigrantInnen-, Entwicklungszusammenarbeit oder Jugendarbeit machten neue Formen der Konfliktbearbeitung notwendig. Diese Auseinandersetzungen verlangen auch Antworten im eigenen Lande, so Klußmann. Dem habe die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) im Januar 2008 Rechnung getragen, als sie diesem Bereich eine Priorität in der zukünftigen Arbeit zuwies. 

Referate der Tagung: Rückblick und Ausblick

Die Tagung begann mit einem Rückblick auf die Arbeit der vergangenen zehn Jahre. Die Statements hierzu kamen von Ute Hegener, Sprecherin des Initiativkreises Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, dem Friedens- und Konfliktforscher Professor Dr. Jörg Calließ, Technische Universität (TU) Braunschweig, der Politikwissenschaftlerin Dr. Regine Mehl vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik  und Jörgen Klußmann, Evangelische Akademie im Rheinland. Dabei wurde die Bedeutung der Plattform bei der Formulierung des Aktionsplans Zivile Krisenprävention und bei der Etablierung und Professionalisierung des zivilen Friedensdienstes in Deutschland hervorgehoben, aber auch die "Mühen der Ebenen" bei der Einwerbung von Akzeptanz für den Vorrang ziviler Krisenprävention und gewaltfreier Konfliktbearbeitung betont - so das Resümee von Jörg Lehmann in der April-Ausgabe der FriEnt-Impulse.   

An der zentralen Podiumsdiskussion am Samstagvormittag nahmen der Historiker Professor Dr. Karl-Ludwig Sommer, Gustav-Heinemann-Initiative, Dr. Ute Finckh-Krämer, Bund für Soziale Verteidigung (BSV), Peter Runge vom Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO), teil..

In den Arbeitsgruppen wurde anschließend die Ausrichtung der zukünftigen Arbeit diskutiert. So soll u.a. die Leistungsfähigkeit ziviler Konfliktbearbeitung greifbarer gemacht werden, um mehr Resonanz bei der Einwerbung politischer Unterstütung zu erhalten.

Mehr über Tagungsverlauf und Ergebnisse finden Sie hier.

 

zum Jubiläum: Live-Musik der Band "Fulani" aus Köln

zum Jubiläum: Live-Musik der Band "Fulani" aus Köln

Jubiläum der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung

Gründung 1998 in Bad Honnef 

Die Plattform Zivile Konfliktbearbeitung wurde 1998 in Bad Honnef als offenes Netzwerk von Personen, Organisationen und Einrichtungen in Deutschland gegründet. Sie zielt darauf ab, die im Netzwerk Teilhabenden bei ihrer gewaltmindernden Arbeit zu unterstützen, miteinander zu verbinden und in ihrer Arbeit vor Ort effektiver zu machen. Sie unterstützt die Teilhabenden bei ihrem Bemühen, eine konstruktive, friedensfördernde Transformation von Konflikten voranzubringen.

Aufgaben und Funktionen der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung

Die Plattform erfüllt folgende Aufgaben und Funktionen:

• Information
• Öffentlichkeitsarbeitund Bildung
• Lobbyarbeit
• Beratung,Unterstützung und Professionalisierung
• internationale Vernetzung

Durch die Vernetzung soll eine stärkere Außenwahrnehmung erreicht werden,damit zivile Konfliktbearbeitung besser auf zivilgesellschaftlicher und politischer Ebene verankert wird.

Mitglieder der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung: Organisationen und Einzelpersonen

Der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung haben sich inzwischen 62 Organisationen, Institutionen und Gruppen sowie 130 Einzelpersonen angeschlossen. Sie stammen aus der Friedensarbeit, Konfliktbearbeitung/Mediation, Menschenrechtsarbeit, humanitären Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und derWissenschaft.

 

Neuerscheinung: Klußmann/Rieche (Hgg.): Zivile Konfliktbearbeitung in Deutschland

Neuerscheinung: Klußmann/Rieche (Hgg.): Zivile Konfliktbearbeitung in Deutschland

Stichwort: Zivile Konfliktbearbeitung 

Unter ziviler Konfliktbearbeitung (ZKB) wird ein breites Spektrum zivilen Engagements verstanden, um gesellschaftliche Konflikte gewaltfrei, friedlich und konstruktiv auszutragen. Zivile Konfliktbearbeitung wird auf kommunaler wie globaler Ebene als auch in der MigrantInnen-, Entwicklungszusammenarbeit, Jugendarbeit etc angewandt. Dabei bedient sie sich  einer Vielfalt an Methoden wie Mediation, der systemischen Arbeit gewaltfreier Aktion, Kommunikation, Trainings und vielem mehr.

Zahlreiche zivilgesellschaftliche Akteure in Deutschland haben sich in der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung zusammengeschlossen. Die Plattform hat sich zur Aufgabe gemacht, fachlichen Austausch zu fördern, gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit zu organisieren und die  internationale Vernetzung zu fördern.

Zivile Konfliktbearbeitung im Ausland

Zumindest für die Auslandsarbeit haben sich in den letzten Jahren Arbeitsstrukturen etabliert und staatliche Fördergelder stehen zur Verfügung. Darüber hinaus wurden spezifische Methoden entwickelt und können Erfahrungen systematisch und wissenschaftlich ausgewertet werden. 

Zivile Konfliktbearbeitung in Deutschland:
eine Vielzahl von Arbeitsbereichen 
 

Während die im Ausland aktiven deutschen Akteure einigermaßen überschaubar sind, ist die Situation im deutschen Inland um vieles komplexer. Hier gibt es zahlreiche Akteure, die an und in gesellschaftlichen Konflikten arbeiten, welche die potentielle Gefahr in sich bergen, gewaltsam ausgetragen zu werden. Im Unterschied zur Auslandsarbeit verteilen sich die Akteure in Deutschland über verschiedenste Arbeitsbereiche, wie Schule, Gemeinwesen, Kom-munen, Gewaltprävention, Bildungsarbeit, Arbeit mit Mitgrantinnen etc.

Eine bundesweite Vernetzung ist schwierig, da die meisten Aufgabenfelder in die Zuständigkeit der Länder oder Kommunen fallen und daher auch viele fachliche Vernetzungen jeweils auf der jeweiligen Gebietsebene organisiert sind und darüber hinaus oft sehr unterschiedliche differenzierte Trägerstrukturen existieren.Auch ist die Begrifflichkeit der zivilen Konfliktbearbeitung im Inland unklarer. Da im engen Sinne eine zivile Konfliktbearbeitung im Gegensatz zu einer militärischen in Deutschland glücklicherweise durch das Grundgesetz (noch!) ausgeschlossen ist, stellt sich die Frage, wer, wie und wo in Deutschland zivile Konfliktbearbeitung betreibt.

Arbeitsgruppe Zivile Konfliktbearbeitung im Inland dient der Vernetzung 

So hat sich innerhalb der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung eine Arbeitsgruppe Zivile Konfliktbearbeitung im Inland gegründet, die das Feld erkunden und zu einer fachlichen Vernetzung einladen sowie eine gemeinsame Lobbyarbeit aufbauen möchte mit dem gemeinsamen Ziel, eine konstruktive Konfliktkultur in Deutschland zu fördern. Die Arbeitsgruppe hatte als einen ersten Arbeitsschritt und als Gesprächsgrundlage eine Arbeitsdefinition für zivile Konfliktbearbeitung im Inland erarbeitet:
Zivile oder staatlich allparteiliche Akteure wenden Methoden der gewaltfreien konstruktiven Konfliktbearbeitung an. Im Mittelpunkt steht die nachhaltige Bearbeitung sozialer Konflikte mit dem Ziel, unmittelbar Gewalt zu vermindern und langfristig den gewaltfreien Umgang mit Konflikten in Strukturen zu verankern.

Damit ist das Feld vorläufig abgesteckt.Um dieses Feld nun zu erkunden, sollten möglichste viele und verschiedene Akteure der zivilen Konfliktbearbeitung in Deutschland sich versammeln und Konzepte und Erfahrungen austauschen und gemeinsame weitere Schritte zur Stärkung der zivilen Konfliktbearbeitung im Inland entwickeln.

Erfahrungsaustausch bei Tagungen in der Evangelischen Akademie im Rheinland 

Einen solchen Erfahrungsaustausch ermöglichte u.a. eine Tagung in der Evangelischen Akademie im Rheinland im November 2006. Dabei waren die Veranstalter der Überzeugung, dass es bereits in Deutschland zahlreiche Ansätze ziviler Konfliktbearbeitung gibt, diese aber oft nicht unter dieser Begrifflichkeit gefasst werden und sich oft selbst auch nicht als solche verstehen. Daher konnte diese Tagung auch nicht für sich in Anspruch nehmen, das gesamte Feld zu versammeln. Im Vordergrund stand also vielmehr, einen ersten gemeinsamen Schritt zu gehen.

Perspektiven der Zivilen Konfliktbearbeitung

Es ist zu hoffen, dass Akteure aus weiteren Arbeitsbereichen sich in Zukunft diesem Weg anschließen. Bei der Tagung wurde mit deutlich, dass zivile Konfliktbearbeitung im Inland ein Äquivalent braucht zu der gut organisierten und strukturierten Zivilen Konfliktbearbeitung, die im Ausland stattfindet. Dies ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit und der Synergie. Die Bundesregierung hat große Anstrengungen unternommen, um beispielsweise durch den Einsatz ziviler Friedensfachkräfte ein neues Feld der internationalen Konfliktbearbeitung zu etablieren. Die inneren, innerdeutschen Konflikte dürfen dabei nicht ausgespart bleiben, zumal sich durch die Globalisierung und Migrationsbewegungen die Fragestellungen im In- und Ausland annähern.

aus dem Vorwort der im April 2008 erschienenen Tagungsdokumentation:
Jörgen Klußmann, Bernd Rieche (Hgg.):  Zivile Konfliktbearbeitung in Deutschland (= Begegnungen 42/2006), Bonn 2008, ISBN 978-3-937621-21-0, 9,00 Euro

Den Einführungsvortrag von Heike Dele-Bull finden Sie hier zum Download.

Jörgen Klußmann/hbl / 21.03.2008


Logo Akademie
Studienleitung Blog von Studienleiter Jörgen Klußmann Termine

RSS Feeds