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epd-Landesdienst West, 01.02.2012

Paradigmenwechsel bei der Bundeswehr durch neue Aufgaben

Koblenz (epd). Die Bundeswehr erlebt laut Generalmajor Reinhard Kammerer nicht durch das Ende der Wehrpflicht, sondern durch ihre neuen Aufgaben einen Paradigmenwechsel.

Der Wandel zur Freiwilligenarmee sei nur die logische Folge der gewandelten Aufgaben, sagte der Stellvertretender Befehlshaber des Heeresführungskommandos am Dienstag in Koblenz. Die konkreten Folgen des Übergangs zur Freiwilligenarmee seien noch nicht abzusehen, sagte Kammerer beim friedensethischen Studientag der Evangelischen Akademie im Rheinland.  

Die Einsätze erfordern dem Generalmajor zufolge von den Soldaten vielfältige Kompetenzen. Sie müssten in multinationalen Verbänden arbeiten. Außerdem müssten sie in Konfliktsituationen wie beim Angriff durch serbische Provokateure im Kosovo im vergangen Jahr besonnen handeln. In Afghanistan müssten auch untere Offiziersgrade mit Dorfältesten verhandeln. „Das erfordert ein großes Maß an interkultureller Kompetenz”, sagte Kammerer. Dafür sei eine umfassende Ausbildung nötig. Weil dem einzelnen Soldaten so große Bedeutung zukomme, sei das Konzept der Inneren Führung hilfreich.  

Für das Konzept mit dem Leitbild des Bürgers in Uniform ist es nach Ansicht von Kapitän Hans-Joachim Liedtke nicht entscheidend, ob die Bundeswehr eine Wehrpflicht- oder eine Freiwilligenarmee ist. Durch die Wehrpflicht habe sich die Gesellschaft mit ihren Streitkräften auseinandergesetzt. Damit Gesellschaft und Bundeswehr auch nach dem Ende der Wehrpflicht nicht auseinanderdriften, müsse der Dialog zwischen beiden immer neu gesucht werden, sagte der stellvertretender Kommandeur des Zentrums für Innere Führung in Koblenz.  

Der Politikwissenschaftler Gunther Hellmann sieht einen Paradigmenwechsel im Ende der Wehrpflicht, der gewandelten politischen Lage und den neuen Anforderungen an die Armee. „Eine Freiwilligenarmee erweitert den Hand­lungsspielraum der Politik, die Bundeswehr für ein breiteres Spektrum von Zielen einzusetzen”, erklärte der Professor an der Universität Frankfurt am Main. Jedoch werde dieser Handlungsspielraum durch die Bedrohungslage, Haushaltszwänge und eine Kultur militärischer Zurückhaltung eingeschränkt.  

Nach Einschätzung der Sozialwissenschaftlerin Anja Seiffert müssen Soldaten heutzutage in der Friedenssicherung ebenso kompetent sein wie im Gefecht. Dies erfordere viele Fähigkeiten. „Mit dem Soldatenbild das klassischen Kriegers vergangener Zeiten hat das nur wenig zu tun”, sagte die Wissenschaftlerin des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr in Strausberg.  

Der evangelische Militärdekan Stefan Jurkiewicz mahnte, dass die Debatte über die Aufgaben der Bundeswehr in einer breiten Öffentlichkeit stattfinden müsse. Es sei nötig die Vorteile der Inneren Führung mit dem Leitbild des Bürgers in Uniform auch der Gesellschaft zu vermitteln. Es wäre schlimm, wenn es mit der Inneren Führung so wäre wie mit einem Medikament, an dessen Wirkung nur der Hersteller glaubte. Auch andere müssten von der Wirksamkeit überzeugt sein, sagte Jurkiewicz.

Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd) West, 30.1.2012

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des epd-West 

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