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epd-Landesdienst West, 06.02.2012

Gesundheitsexperte wirbt für mehr interkulturelle Kompetenz in der Pflege

Bonn (epd). Der Mediziner und Philosoph Ilhan Ilkilic hat für mehr interkulturelle Kompetenz von Ärzten und Pflegern im Umgang mit muslimischen Patienten geworben.

Das Wissen um Traditionen, Fastengebote oder Schamverhalten helfe, Konflikte zu vermeiden, sagte Ilkilic am Samstag in Bonn. Dabei sei jedoch zu beachten, dass es nicht den einheitlichen muslimischen Patienten gebe. „Jeder Patient ist als Individuum wahrzunehmen und zu behandeln, nicht als Mitglied seiner sozialreligiösen Gruppe”, sagte er bei der Fachtagung der Evangelischen Akademie im Rheinland.  

Die Einhaltung religiöser Pflichten kann laut Ilkilic für praktizierende Muslime gesundheitliche Probleme verursachen. So scheine das Fastengebot im Monat Ramadan unvereinbar mit der Einnahme von Medikamenten. Grundsätzlich gelte im Islam jedoch, das der Schutz des Lebens wichtiger sei als die Gebote, erklärte der Mediziner. Kranke, Schwangere und andere Gruppen seien ausdrücklich vom Fasten ausgenommen.  

Wenn medizinische Produkte Alkohol oder Bestandteile vom Schwein enthielten, sollte ein deutscher Arzt vorher mit den Patienten darüber sprechen, empfahl der türkischstämmige Wissenschaftler. Alkohol und Schweinefleisch sind im Islam verboten.

Auch bei Krankenbesuchen könne es hilfreich sein, mit muslimischen Patienten vermehrt das Gespräch zu suchen. Da der Krankenbesuch im Islam wie auch in der orientalischen Kultur einen hohen Stellenwert habe, kämen oft sehr viele Angehörige und andere Besucher. Um andere Patienten im Krankenzimmer nicht zu stören, könne über zeitliche Begrenzungen oder den Empfang des Besuchs in der Cafeteria gesprochen werden.  

Ein weiteres Konfliktfeld im Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient kann Ilkilic zufolge die Kommunikation sein. Eine türkischsprachige Putzfrau könne vielleicht dolmetschen, sei aber nicht an die Schweigepflicht gebunden. Auch seien Bekannte eines muslimischen Patienten oft nicht als Dolmetscher geeignet. Wenn zwischen Patient und Bekanntem ein Autoritätsverhältnis herrsche, könnten wichtige Informationen verschwiegen werden. Generell sei es für Muslime problematisch, wenn bei Untersuchungen Personen des anderen Geschlechts dabei sind.  

Im Islam gilt Gesundheit laut Ilkilic als Gottesgabe. Körper und Gesundheit sind demnach dem Menschen als zu schützendes Gut anvertraut. „Der Muslim hat im Jenseits Rechenschaft abzulegen, wie er mit seinem Körper umgeht”, erklärte er. In diesem Zusammenhang seien Muslime auch grundsätzlich zu Vorsorgemaßnahmen und Impfungen angehalten. Ilkilic, ehemaliges Vorstandsmitglied der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), arbeitet am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Universität Mainz.

Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd) West, 30.1.2012

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des epd-West   

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