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Tagung in Kooperation mit ROM e.V.

Roma - eine unerwünschte Minderheit in Europa?

Immer noch gehören Roma aus Südosteuropa zu den am stärksten diskriminierten Minderheiten in Europa. Mit den Ursachen und der aktuellen Lage beschäftigte sich am 8./9. November 2013 eine Tagung an der Akademie.   

Robert Rustem, European Roma and Traveller Forum. Foto: Blum

Robert Rustem, European Roma and Traveller Forum. Foto: Blum

Viele Roma, die aus den EU-Ländern Bulgarien, Rumänien, aber auch Serbien und Mazedonien zu uns kommen, sind ausgebildet bzw. waren Arbeiter in verschiedenen Industriezweigen, bevor sie in  der Krise entlassen wurden. Durch das Recht zur freien Einreise in andere EU-Staaten haben sie die Möglichkeit, in Ländern Zentraleuropas wie z.B. Deutschland nach einem Arbeitsplatz zu suchen und sich eine Existenz aufzubauen. Doch sie stoßen vielfach auf immer noch bestehende Ressentiments.  

Roma-Familien ohne Ausbildung und ökonomische Überlebenschancen in ihrer Heimat nutzen ebenfalls ihr Recht auf Freizügigkeit als neue EU-Bürger.  Auch diese Migranten müssen finanziell unterstützt und sozial begleitet werden sowie für den Arbeitsmarkt qualifiziert werden, insbesondere die Kinder und Jugendlichen  Vor allem für die Kommunen bedeutet dies angesichts der angespannten Haushaltslage zusätzliche Belastungen und mögliche Spannungen zwischen Mehrheitsgesellschaft und den neuen Mitbürgern.  

Welche Lösungen können Politik und Zivilgesellschaft den Roma aus Süd-Osteuropa anbieten, die nach Zentraleuropa kommen? Welche Rahmenbedingungen müssen erfüllt sein, damit ein Prozess der Integration gestärkt wird?  

Tagung in Kooperation mit ROM e.V.
Diese Fragen griffen die Referentinnen und Referenten der Tagung auf, die von der Akademie zusammen mit dem ROM e.V. Köln ausgerichtet wurde. Ziel von ROM e.V. ist es, Roma vor Diskriminierung zu schützen und ihre Integration zu fördern. Projekte wie die erfolgreiche Kölner Vorbereitungsschule „Amaro Kher“ werden vom Rom e.V. initiiert bzw.betrieben. 

Der Historiker Dr. Ulrich Opfermann. Foto: Blum

Der Historiker Dr. Ulrich Opfermann. Foto: Blum

Daniel Strauß: Wer sind die Sinti und Roma?
Die Tagung nahm nicht nur die Gegenwart, sondern auch die geschichtliche Entwicklungen in den Blick, die bis heute Einfluss haben auf die gegenseitige Wahrnehmung. Der Historiker Daniel Strauß, Geschäftsführer von Romno Kher, einem Haus für Kultur, Bildung und Antiziganismusforschung in Mannheim, stellte Geschichte und Kultur der Roma dar („Wer sind die Sinti und Roma?“).

Dr. Ulrich Opfermann: "Der Völkermord an Sinti und Roma unter den Nationalsozialisten war beispiellos" 
Die Zigeunerfeindlichkeit, der sog. Antiziganismus, datiert bis ins Mittelalter zurück, doch der Völkermord der Nationalsozialisten war beispiellos. Er stand im Mittelpunkt des Beitrags von Dr. Ulrich Opfermann, ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter bei ROM e.V. Die Zahl der Roma, die zwischen 1940 und 1945 durch NS-Verfolgung zu Tode kamen, wird heute nach belastbaren Quellen auf 200.000 Menschen geschätzt, so Opfermann. Der Historiker ist Mitherausgeber einer Untersuchung über die Zigeunerverfolgung in Rheinland und Westfalen während der NS-Zeit.

Sozialexperte Prof. Dr. Thomas Münch. Foto: Blum

Sozialexperte Prof. Dr. Thomas Münch. Foto: Blum

Robert Rustem: Zur aktuellen Situation der Roma in den EU-Ländern
Die aktuelle Situation der Roma in Europa war das Thema von Robert Rustem. Rustem ist Leiter des Sekretariats des European Roma and Traveller Forums, das als NGO die Interessen der Roma auf europäischer Ebene vertritt und eng mit dem Europarat in Straßburg zusammenarbeitet. Das Forum pflegt zudem die Netzwerke zu Dachverbänden der Roma in den einzelnen europäischen Ländern. 

Roma leben in den EU-Ländern Ungarn, Bulgarien, Rumänien, aber auch in Serbien und Mazedonien meist als unerwünschte Minderheit und werden in einigen Staaten auch diskriminiert, so Rustem. Sie gehören zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen in Europa.Vierzig Prozent der Roma leiden permanent unter Hunger, die Kindersterblichkeit liegt weit über dem Durchschnitt.      

Prof. Dr. Thomas Münch: Armutmigration in Städten - das Beispiel Köln 
Den Aspekt der „Armutsmigration“  behandelte der Sozialpädagoge und Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Thomas Münch von der Fachhochschule (FH) Düsseldorf. Er ging er auf die aktuelle Lage in Köln ein. Dabei bezog er sich auf einen im Mai 2013 vorgelegten Forschungsbericht "Südosteuropäische Elendsmigration in Köln". 

Münch war u.a. von 1994 bis 2004 Sprecher der Kölner Armutskonferenz und ist Leiter des Forschungsschwerpunktes Wohlfahrtsverbände an der FH.  

Die Tagung schloss mit drei Arbeitsgruppen, in denen es um Wege zum Abbau von Diskriminierung, zur Stärkung der Integration und zur Vernetzung der Roma auf europäischer Ebene geht.

Tagung wurde dokumentiert
Zu der Tagung ist eine epd-Dokumentation erschienen. die die Referate der Tagung enthält.
Mehr über die Dokumentation

hbl / 17.11.2013


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