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Blog von Studienleiter Jörgen Klußmann

500 Jahre Reformation - und jetzt? In seinem neuen Blogbeitrag lädt Jörgen Klußmann zum Gespräch darüber ein.

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Tagung in Kooperation mit der Asienstiftung und der Universität Bonn

Experten zu Myanmar: Skepsis und Hoffnung

Um die aktuelle politische und soziale Lage in Myanmar ging es bei einer Akademie-Tagung am 3./4. Mai 2013: Myanmar on the Way towards Social and Ecological Justice?

Abschlusspodium mit Salai Isaac Khen (l.) und Dr. Khin Zaw Win (r.). Foto: Blum LupeAbschlusspodium mit Salai Isaac Khen (l.) und Dr. Khin Zaw Win (r.). Foto: Blum

Nach 50 Jahren Militärdiktatur haben die regierenden Generäle 2012 eine erste zaghafte Öffnung in Richtung Demokratie im südostasiatischen Myanmar zugelassen. Die demokratische Opposition beteiligte sich an den Nachwahlen zum Parlament, darunter auch die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die 2010 von den Militärs aus dem Hausarrest entlassen wurde und sich erstmals seit vielen Jahren wieder relativ frei bewegen konnte.

Myanmar heute: auf dem Weg zur Demokratie?
Als eine Vertreterin der größten demokratischen Partei, der Nationalen Liga für Demokratie, hat Kyi nun einen Sitz in der Volksversammlung, die aber immer noch durch das Militär und die militärnahe Partei USDP mit mehr als 80 Prozent der Sitze dominiert wird. Viele westliche Staaten haben aufgrund der jüngsten Entwicklungen ihren Boykott aufgehoben oder gelockert.

Wie könnte eine sozial und ökologisch gerechte Entwicklung aussehen?
Die Frage bleibt jedoch: Wie dauerhaft sind die Reformen? Wie kann eine sozial und ökologisch gerechte Entwicklung gesichert werden, durch die alle Bewohner des Vielvölkerstaates angemessen an den enormen Reichtümern des Landes beteiligt werden? Und welchen Beitrag können Europa und Deutschland dazu leisten?

Fachleute aus Myanmar und aus Deutschland gaben eine Einschätzung 
Studienleiter Jörgen Klußmann hatte die Tagung zusammen mit zwei in der südostasiatischen Region gut vernetzten Partnern vorbereitet: Christina Grein, Ethnologin mit dem Schwerpunkt Burma und Thailand, von der Asienstiftung Köln und Phuong Le Trong, M.A., Lehrbeauftragter an der Abteilung Südostasienwissenschaft beim Institut für Orient- und Asienwissenschaften an der Universität Bonn. So wurde dieser authentische Blick auf das Land, wie ihn die Tagung bot, möglich.

Als Referenten aus Myanmar haben an der Tagung teilgenommen:

  • Dr. Khin Zaw Win, Director of Tampadipa Institute/Myanmar
  • Salai Isaac Khen, Executive Director of the Gender and Development Initiative & Gender and Peace Study Center, Myanmar

Als Referenten aus Deutschland haben teilgenommen:

  • Corinna Broeckmann, Misereor
  • Michael Lidauer, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung
  • Dr. Wolfram Schaffar, Asienhaus und Universität Wien
  • Dr. Hans Bernd Schüssler, Projekt MINESWEEPING through MINDSWEEPING
  • Dr. Sina Schuessler, Zentrum für Konfliktforschung, Universität Marburg
  • Dr. Gerhard Will, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin

Drd. Khin Zaw Win im Gespräch mit einem Tagungsteilnehmer. Foto: Blum LupeDrd. Khin Zaw Win im Gespräch mit einem Tagungsteilnehmer. Foto: Blum

Dr. Khin Zaw Win:
"Wir müssen dafür sorgen, dass der Aufbruch ein Aufbruch in ein gutes Morgen wird"

„Der Spiegel ist vom Staub der Diktatur gereinigt und nun können die Menschen in Myanmar sich so sehen wie sie wirklich sind", sagte Dr. Khin Zaw Win zu Beginn seines Vortrags.  

Der Direktor des Tampadipa Instituts in Myanmar, einer Einrichtung zur Stärkung der Zivilgesellschaft, wies darauf hin, dass es noch viele Probleme gäbe, die eine demokratische Öffnung von Myanmar wieder in Frage stellen könnten.

Win nannte in diesem Zusammenhang das Militär und die ethnischen Spannungen, das Justizwesen und den überall spürbaren Einfluss von China. Eine einseitig von einigen großen Akteuren bestimmte wirtschaftliche Entwicklung wirke ebenso destabilisierend wie religiöse Intoleranz und die kürzlich ausgebrochene religiöse Gewalt von Buddhisten gegen Muslime.

„Es genügt nicht, sich über einen neuen Beginn in Myanmar zu freuen. Wir müssen dafür sorgen, dass es ein Aufbruch in ein gutes Morgen wird.“ , war Wins eindringlicher Appell.

Derzeit gibt es Myanmar zahlreiche aktuelle und unterschwellige Konflikte

Auf die Konflikte zwischen den unterschiedlichen Ethnien, aber auch zwischen der Vielzahl von Fraktionen innerhalb der ethnischen Minderheit wiesen die Referentinnen und Referenten mehrfach hin. Ein Statement dazu kam von Dr. Hans-Bernd Zöllner vom MINESWEEPING through MINDSWEEPING-Project,  der dabei auch auf den aktuellen Konflikt zwischen Buddhisten und Muslimen einging:

"Die zahlreichen aktiuellen und unterschwelligen Konflikte erwachsen aus einem Nährboden von einem tief verwurzelten Misstrauen zwischen einer großen Anzahl von Gruppen, die auf dem Territorium des Staates Myanma zusammen leben. Dabei handelt es sich nur um unterschiedliche Ethnien, die in der Regel auch unter sich gespalten sind, sondern auch um eine Vielzahl von Fraktionen innerhalb der ethnischen Mehrheit, der Bama. Dies Fehlen der Grundlage für einen Konsensus, der Myanma zu einer Nation machen könnte, hat in die Kolonialzeit zurück reichende historische Ursachen und hängt mit der bis heute dominierenden aus dem Theravada-Buddhismus herausgewachsenen politischen Kultur zusammen, in der es wenig Ansätze für das Eingehen politischer Kompromisse gibt.

Ein Beispiel dafür sind die inter-ethnischen Konflikte wie sie jüngst wieder zwischen Teilen der buddhistischen Mehrheit und unterschiedlichen Gruppen von im Lande lebenden aus Südasien stammenden Muslimen. Ein zweites Beospiel sind die Auseinandersetzungen um eine Kupfermine im birmanischen Kernland, bei der ökologische Fragen und Landrechte im Vordergrund stehen,  die auf dem Hintergrund des ungelösten Problem der Legitimität jeglicher politischen Entscheidung diskutiert, aber nicht entschieden werden.

Die schon lange bestenden Konflikte wurden in der Vergangenheit durch das birmanische Militär als der einzigen stabilen Institution unterdrückt. Mit dem im Jahr 2011 eingeleiteten Reformprozess treten sie offen zutage. Eine Lösung der Problematik ist nur langfristig mit der Impementierung von Maßnahmen möglich, die Vertrauen in stabile gesellschaftliche Strukturen zum Ziel haben." ( Quelle: Pressetext Dr. Hans-Bernd Zöllner)   

Internationale Unterstützung ist wichtig bei diesem Prozess der Umgestaltung

Internationale Unterstützung ist wichtig in dem herausfordernden Prozess der politischen und gesellschaftlichen Veränderung, der aktuell in Myanmar stattfindet - das unterstrichen sowohl Win als auch Salai Isaac Khen, Gründer und Geschäftsführer des Gender & Peace Study Center in Myanmar bei der Podiumsdiskussion zum Schluss der Tagung. 

Weiterführender Hinweis:
Ein ausführlicher Bericht des Bonner Journalisten Uwe Hoering über die Tagung ist hier auf unserer Internet-Seite ebenfalls bereitgestellt. Zum Bericht

 

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hbl / 23.09.2013



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