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Akademie-Reihe "Begegnungen"

Neuerscheinung: 100 Jahre Erster Weltkrieg

Anlässlich des Gedenkjahres zum Beginn des Ersten Weltkrieg hat die Akademie  im März 2014 diese "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" im Rahmen einer Tagung in den Blick genommen. Die Dokumentation der Tagung ist in unserer Reihe "Begegnungen" erschienen.

Lupe

"100 Jahre Erster Weltkrieg – dieses Gedenkjahr stimmt nachdenklich. Auch heute wird in vielen Regionen dieser Welt weiterhin gekämpft, getötet und gestorben. Nach dem Ersten folgte der Zweite Weltkrieg und manche prophezeien, dass ein dritter Weltkrieg möglich wäre. Das Gedenken an den
Ersten Weltkrieg, diese „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, einerseits, aber auch die schonungslose Analyse der Ursachen und Folgen dieses Krieges andererseits können uns heute helfen, deutlich und unüberhörbar für Frieden einzutreten und immer wieder Wege zur gewaltfreien Konfliktlösung zumindest zu suchen, damit sich Ereignisse wie die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts nicht wiederholen.

Waffeneinsatz bedeutet immer Tod und Leiden
Obwohl ich seit langem in der Konfliktbearbeitung und der Versöhnungsarbeit aktiv bin, habe ich allerdings Zweifel, dass jeder Konflikt gewaltlos gelöst werden kann. Doch Waffeneinsatz in Konflikten bedeutet immer Tod und Leiden, auch unter der Zivilbevölkerung. In Sri Lanka habe ich dies selbst beobachten müssen, als die Konfliktparteien davon überzeugt waren, dass sie eine Entscheidung mit Waffengewalt erzwingen könnten. Die anschließende Offensive der Regierungstruppen gegen die Tamil Tigers brachte tatsächlich den Erfolg, doch der Preis war immens hoch. Das Artillerie-Bombardement auf die feindlichen Stellungen tötete nicht nur die Kämpfer der Gegenseite, sondern auch zahlreiche Verwundete, die eigentlich in einer neutralen Zone geschützt sein sollten.

Dennoch gibt es Begeisterte für den Krieg - gestern und heute
Für die Entschlossenheit, lieber zu kämpfen statt einzulenken und den ersten Schritt in Richtung Versöhnung zu machen, gibt es auch ein sehr aktuelles und bedrängendes Beispiel. Aus aller Welt strömen Freiwillige nach Syrien, um sich den Kämpfern des Islamischen Staates (IS) anzuschließen. Mit Begeisterung ziehen sie in den Tod, lassen sich instrumentalisieren in diesem vermeintlichen Gotteskrieg. Auch 1914 zog die Jugend begeistert auf die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs – angestachelt von einer nationalen Hysterie, die in den Schulen und vor allem auch in den Kirchen begeisterten Widerhall fand.

Es gab keinen vernünftigen Kriegsgrund für den Ersten Weltkrieg 
Die in diesem Band vorliegenden Beiträge untersuchen die Rolle der Kirchen im Ersten Weltkrieg und sie finden kritische Worte, nicht nur, weil die Kirchen den Soldaten für ihre Bereitschaft, das eigene Leben zu opfern, im Gegenzug im Tod einen Märtyrerstatus versprachen.

Ganz ähnlich handeln heute die Propagandisten des IS. Dieser Vergleich mag vielleicht weit hergeholt und provokativ erscheinen, da es sich beim Ersten Weltkrieg doch um einen „regulären“ Krieg handelte, der noch „symmetrisch“ zwischen Nationalstaaten ausgetragen wurde und in dem es auf den ersten Blick mit dem Mord an Österreichs Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo einen Kriegsgrund zu geben schien. Doch die historische Kriegsursachenforschung hat mit diesem Vorurteil aufgeräumt. Der Erste Weltkrieg war letztlich wie alle seine Vorgänger und ebenso seine Nachfolger ein Krieg, der keinen vernünftigen Grund hatte und in dem sinnlos Leben zerstört und verstümmelt wurde. Ohne diesen Krieg wäre es Europa und der Welt sicher besser ergangen.

Die Kirchen haben sich im Ersten Weltkrieg mitschuldig gemacht
Die Kirchen haben sich im Ersten Weltkrieg mitschuldig gemacht, indem sie die Kämpfe zu einem Heldenringen um das Vaterland stilisierten und den Soldaten suggerierten, dass sie für ihren Kampf mit göttlichem Beistand rechnen durften – das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für alle anderen Krieg führenden Länder.

Es ist bleibende Aufgabe der Kirchen, eine praxisnahe Friedensethik weiter zu entwickeln
Wir dürfen heute nicht so tun, als ob es diese Entwicklungen nicht gegeben hätte, und sollten nicht vergessen, was damals geschah. Angesichts einer keinesfalls gewaltfreien Entwicklung zu Beginn des 21. Jahrhunderts muss es eine bleibende Aufgabe der Kirchen und der Christen sein, nach gewaltlosen Alternativen zu suchen und eine praxisnahe Friedensethik weiter zu entwickeln. Der Ansatz der Kirchen für eine Ethik des Gerechten Friedens ist eine gute Grundlage, die aber weiter diskutiert und stetig weiter entwickelt werden muss, damit Kriege immer weniger wahrscheinlich werden. Dabei kann die Rückbesinnung auf und die Analyse der Geschehnisse der Vergangenheit helfen. Dazu möchte dieser Band beitragen."

Jörgen Klußmann M.A., Studienleiter an der Evangelischen Akademie im Rheinland
Bonn, im November 2014

Vorwort zur Tagungsdokumentation "100 Jahre Erster Weltkrieg"
Bonn, im November 2014

Aus dem Inhalt:

  • Jörgen Klußmann:
    Vorwort
  • Ralph Sowart:
    Zwischen Globalisierung und europäischen Bündnissen.
    Anmerkungen zum internationalen System am Vorabend des Ersten Weltkriegs
  • Gerhard Besier:
    Der Große Krieg und die Religion in vergleichender Perspektive.
    Warum 1914 die christliche Kriegskultur über den religiös motivierten Pazifismus obsiegte
  • Guy Liagre:
    „A vos ordres, Kommandant“.
    Kollaboration, Widerstand und Engagement des belgischen Protestantismus zur Zeit des Ersten Weltkriegs
  • László Levente Balogh:
    Der Große Krieg und seine lange Schatten.
    Reformierte Deutungsmuster und nationale Erinnerungsmuster des Ersten Weltkrieges in Ungarn

Bibliographische Angaben

100 Jahre Erster Weltkrieg
Beobachtungen zur Rolle der Kirchen
Hg.: Jörgen Klußmann
(= Begegnungen 41)
Bonn 2014
ISBN 978-3- 937621-48-7
9,00 Euro

Die Dokumentation ist über den Buchhandel oder direkt bei der Akademie zu beziehen.
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Jörgen Klußmann/hbl / 24.07.2015



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